„La Reine de Chypre“, die Königin von Zypern, das klingt schon mal sehr mythisch. Und wirklich, gilt doch diese längenmäßig mit zweieinhalb Stunden erstaunlich kompakte Grand Opéra aus der Manufaktur von Fromental Halévy als so sagenumwoben wie besonders. Auch dank der enormen szenischen Aufwendungen, die dafür von Nöten sind, wie etwa der feierlich blechumglänzte Einzug im 3. Akt eben jener Regentin im Hafen von Zypern. Doch das 1841 uraufgeführte, sogar von Richard Wagner geschätzte, seit 120 Jahren nicht mehr gespielte Opus erweist sich als prallbuntes Spektakel aus der venezianischen Geschichte um Verrat, Gier, väterliche Einflussnahme auf Emotion wie Politik; ein wenig bekannter begegnet es übrigens noch einmal in Donizettis späterer Fassung als „Catarina Cornaro“. In Paris haben das die bewährten Trüffelsucher der Stiftung Palazzetto Bru Zane erschnüffelt und ausgegraben. Bru-Zane-Primadonna Véronique Gens in der Titelrolle und Dirigent Hervé Niquet liefern sich darin ein Glamourduell der Diven – sie mit fein lasierten Spitzentönen und sinnlicher Ausstrahlung, er mit nicht immer taktsicher dynamisch zackigem Voranpreschen an der Spitze des Orchestre de Chambre de Paris und des knackig klingenden Flämischen Radiochors. In der einst für den Star Gilbert Duprez geschriebenen Rolle des Gérard glänzt Cyrille Dubois mit gerundeten Höhen. Herrlich viril stirbt Etienne Dupuis als nobler Vizekönig Jacques de Lusignan. Seine Todesszene im 5. Akt ist großes Opernkino! Aber auch Christophoros Stambogolis (Andréa Cornaro) und Eric Huchet (Mocénigo) tragen souverän ihren Vokalanteil bei.

Matthias Siehler, 23.06.2018



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