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Ravensburg

Mathias Eick

ECM/Universal 6710239
(41 Min., 6/2017)

Nicht alle Norweger haben offenbar ein so kompliziertes, selbstzerfleischendes Verhältnis zu ihrem familiären Umfeld wie der Bestsellerautor Karl Ove Knausgård. „Family“, „Children“ oder „Parents“ heißen die Stücke, die der Trompeter Mathias Eick auf „Ravensburg“ (dem Herkunftsort einer seiner Großmütter) präsentiert – Dissonanzen, Aggressionen oder Kommunikationslosigkeit sind ihnen jedenfalls fremd.
Eicks Familienaufstellung ist so innig wie das Zusammenspiel seiner musikalischen Partner. Im Stück „Family“ nehmen das kontinuierlich aufmerksam webende Klavier Andreas Ulvos und der sparsam brummende E-Bass Audun Erliens die Rolle von Mutter und Vater ein, Torstein Lofthus am Schlagzeug und Helge Norbakken an seinem charakteristischen Percussion- /Drum-Hybrid fungieren als wunderliches Onkel-Zwillingspaar. Auf deren Rücken dürfen sich Eicks Trompete und die Geige Hakon Aases als unbeschwerte Kinder einander einprägsame Melodien zurufen.
„Friends“ zeigt Bläser und Streicher dann als verschworene Einheit, die gemeinsam gewissen Düsternissen trotzen, während „Girlfriend“ ihnen die Gelegenheit gibt, aus dem Rahmen der bittersüßen Themen mit ihrem stets leicht folkloristischen Anstrich auszubrechen. Das Stück hat einen fast schon clubbigen Groove, und die Geige lässt Anklänge an Jean-Luc Ponty erkennen. Ähnlich verhält es sich mit der Titelnummer „Ravensburg“, die irgendwo versteckt einen Dub-Reggae in sich trägt.
Wie persönlich die Aufnahme für Eick ist, zeigt sich nicht nur in seinem unglaublich weichen Trompetenspiel, dem jegliche metallische Schärfe abgeht. Zuweilen singt der Norweger auch wortlos, am berührendsten beim Albumabschluss „For My Grandmothers“. Selig, wer solch nette Enkel hat.

Josef Engels, 16.06.2018



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