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Edward Elgar

Cellokonzert, Sospiri, Klavierquintett

Marie-Elisabeth Hecker, Antwerp Symphony Orchestra, Edo de Waart, Carolin Widmann, David McCarroll, Pauline Sachse, Martin Helmchen

Alpha/Note 1 ALP 283
(70 Min., 2 & 10/2016)

Es ist schon fast wie ein Reflex: Sobald eine Cellistin sich mit Edward Elgars Cellokonzert per Tonträger an die Öffentlichkeit traut, wird sie nicht etwa mal mit einem männlichen Top-Kollegen wie Yo-Yo Ma verglichen. Nein, es muss die legendäre Elgar-Interpretin Jacqueline du Pré sein. Als ob nur Cellistinnen dieses spezielle Gen besitzen würden, um diesen tiefromantischen Klassiker aus dem frühen 20. Jahrhundert mit dem nötigen Gefühlsüberschwang begreifen zu können. Die „du-Pré“-Messlatte hat sich jetzt Marie-Elisabeth Hecker sogar fotogen recht hochgelegt. Schließlich gibt sie sich auf dem Cover ihres Elgar-Albums unzweideutig als du Prés Schwester im Geiste. Was jedoch den diskografischen Meilenstein von 1965 angeht, hat Hecker zum Glück nicht versucht, sie zu imitieren. Große Gefühle, melodiöse Fülle und auch das herrlich triviale Melos dieser Musik bietet zwar auch sie in allen Facetten. Aber bei ihr schlägt Leidenschaft nicht in wildes Pochen um, sondern wirkt geradezu ‚männlich‘ kontrolliert. Überhaupt setzt Hecker weniger auf die emphatische Attacke als vielmehr auf das Herausarbeiten der Konturen, die unbedingte Klarheit der Linienführung, die Akkuratesse im Figurativen. Leb- und anteilnahmslos wirkt das alles nicht. Und trotzdem wünschte man sich, dass Hecker einfach auch mal die Leinen lockert – wie in den pirouettenhaften, an Tschaikowskis „Rokoko-Variationen“ erinnernden Fingerübungen im 2. Satz. Auch fehlt Hecker da schon mal der nötige Push von dem eher gediegen statt animierend begleitenden Antwerp Symphony Orchestra unter der Leitung Edo de Waarts.
Immerhin im nachfolgenden Werk „Sospiri“ sind Hecker und die Orchesterstreicher ein Herz und eine Seele. Höhepunkt dieses Elgar-Tributes ist zweifellos die Aufnahme des Klavierquintetts, das wie das Cellokonzert in den späten Jahren des Komponisten entstanden ist. Ein Werk von visionärem Wert ist es nicht, zumal Elgar keine Gelegenheit auslässt, sich als Brahms-Jünger zu outen. Mit ihren Partnern Carolin Widmann (Violine), David McCarroll (Violine), Pauline Sachse (Viola) und Pianist Martin Helmchen gestaltet Hecker das Herbstblättrige und Volkstümliche dieses Quintetts aber derart erlesen bis schwungvoll, dass man ihm ab sofort gern häufiger im Konzertsaal begegnen möchte.

Guido Fischer, 02.06.2018



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