Der amerikanische Bratschist David Aaron Carpenter wartet auf mit einem opulenten Programm, das neben einer Bearbeitung des Dvořák-Cellokonzerts und William Waltons famosem Viola-Konzert vor allem Musik des zeitgenössischen Komponisten Alexey Shor enthält, der in Kiew geboren wurde und mittlerweile in Amerika lebt. Ergänzt wird das reizvolle Programm durch Béla Bartóks unvollendetes Viola-Konzert (vervollständigt von Tibor Serly).
Es sei nicht verleugnet, dass die enthaltenen zeitgenössischen Werke wohl just jenen Teil des Doppelalbums ausmachen, der scheinbar auf eine möglichst breite Publikumswirkung hinzielt: Alexey Shor ist alles andere als ein Avantgardist, seine nicht nur durchweg tonale, sondern auch hemmungslos unkomplizierte Musik müsste für den Geschmack des Rezensenten bei weitem nicht so ausführlich auf diesen Tonträgern enthalten sein.
Dafür zeigt Carpenter in den übrigen genannten Stücken durchaus, was er (wirklich) kann: Mit seinem satten, fülligen und intensiven Viola-Ton erkundet er eindrucksvoll nicht nur die Ausdruckswelten des schwerblütigen Eingangssatzes von Waltons Viola-Konzert, sondern auch den rauen Charme des überaus hörenswerten Bartók-Concertos. Und die Transkription des Dvořák-Cellokonzerts für Viola, an der Carpenter offenbar selbst beteiligt ist, vermag ebenfalls voll und ganz zu überzeugen. Wohlwollend formuliert also ein Programm für ein weitgefasstes Publikum als Zielgruppe mit Carpenters stets begeisterndem Viola-Timbre als Kontinuum; möge er auf diese Weise ruhig neue Hörerscharen auch für Walton und gar Bartók begeistern.

Michael Wersin, 21.04.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top