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Béla Bartók

Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Renaud Capuҫon, London Symphony Orchestra, Franҫois-Xavier Roth

Erato/Warner 9029570807
(60 Min., 10/2017)

Dass die beiden Violinkonzerte von Béla Bartók aus zwei unterschiedlichen Lebens- und Kompositionsphasen stammen, kann man allein schon an ihrer Form ablesen. Das 1908 vollendete 1. Konzert ist zweisätzig und das dreißig Jahre später Entstandene dreisätzig. Auch musikalisch besitzen sie völlig unterschiedliche Identitäten: Während der Finalsatz des älteren Konzerts noch ganz heftig und unverblümt mit der Klangfarbenskala eines Richard Strauss flirtet, kündigen bereits die von der Balkanmusik infizierten Eröffnungstakte des 2. Violinkonzerts eine wesentlich herbere Gangart an, die sich immer auch ins Gehetzte steigert. Auch ansonsten hat dieses Konzert tonsprachlich mehr zu bieten, weshalb es sich einer wesentlich größeren Popularität im Konzertsaal und Aufnahmestudio erfreut als das Geschwisterwerk. Zu loben ist es daher unbedingt, dass sich Geiger Renaud Capuҫon und Dirigent Franҫois-Xavier Roth für eine Koppelung beider Konzerte entschieden haben – weniger glücklich fällt dagegen die Sichtweise der Interpreten auf beide aus. Denn so klangintensiv sich Capuҫon den romantischen Sehnsuchtsformeln im 1. Violinkonzert annimmt, so führt er sein emotionsgesättigtes Spiel im 2. Violinkonzert im Grunde nahtlos fort. Nicht, dass Capuҫons bewundernswert schlackenfreien, seine so optimal wie möglich durchartikulierten „Gesänge“ kein Genuss wären. Aber all der subversiv irrlichternde, verzagende Grundton, diese auch beklemmenden Schübe, die in der Partitur durch das Orchester gehen sollen – all das hat einer doch eher auf Harmonie setzenden Klangluxus-Ausgabe im Mainstream-Format Platz gemacht. Man hatte sich von diesem Gespann schlicht mehr erwartet.

Guido Fischer, 31.03.2018



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