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B-Side

Hyleen

La Note Bleue/Edel 1088002LNB
(44 Min., 10/2016)

Die Älteren werden sich vielleicht erinnern: Auf den B-Seiten von Singles befanden sich meistens die weniger hitverdächtigen Stücke. Beim Anhören des ersten vollgültigen Albums der südfranzösischen Sängerin, Gitarristin und Komponistin Hyleen fragt man sich unwillkürlich: Wenn das die „B-Side“ der 27-Jährigen sein soll, wie der Plattentitel nahelegt – wie gut und reif muss dann erst die A-Seite sein?
Ursprünglich hätten ja Aufnahmen mit Stars wie den Sängern Frank McComb und Omar sowie dem Schlagzeuger Chris Dave Teil von Hyleens Debütalbum sein sollen. Aber die junge Französin fand sie zu überproduziert und setzte stattdessen auf eine schlanke Lösung: 12 Stücke aus eigener Feder, live eingespielt im Studio mit dem Jazz- und Fusion-Schlagzeuger Nicolas Viccaro und Fred Dupont am Keyboard und Moog-Bass.
Eine gute Lösung: „B-Side“ dockt an den tanzbaren Pop der Gegenwart im Geiste eines Bruno Mars an, wirkt aber nicht so hysterisch und aufgemotzt. Ganz lässig lässt Hyleen in ihren Stücken den Acid Jazz der 1990er Jahre mit dem Funk eines James Brown flirten (von den Gitarristen des Godfather of Soul hat sie sich einige Licks abgeschaut), weckt gesanglich Erinnerungen an Billie Holiday, Amy Winehouse und Erykah Badu, traut sich alleine als Folkfräulein mit Klampfe ans Mikrofon („Fly High“) und lässt auch ihre Beeinflussung durch die Swing-Vibes des Jazz („Black Box“) und Steely Dan („Beside You“) durchscheinen.
Das alles groovt so anstrengungslos und geht dermaßen anregend durch Hirn und Gebein, dass man den putzigen französischen Akzent der Sängerin in den ausnahmslos englisch gehaltenen Stücken irgendwann gar nicht mehr wahrnimmt. Der Frühling kann kommen.

Josef Engels, 17.03.2018



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