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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Chris Dave and The Drumhedz

Chris Dave and The Drumhedz

Blue Note/Universal 3779440
(59 Min., 2015)

Auf dieses Album haben black-music-affine Schlagzeugfans mehrere Jahrzehnte gewartet: Schließlich ist Chris Dave einer der am meisten verehrten Architekten gleichermaßen krummer wie tanzbarer Beats des Planeten. HipHop-Produzentenlegende J Dilla, Nu-Soul-Genius D'Angelo, Jazz-Pianist Robert Glasper, Pop-Stars wie Adele und Justin Bieber – sie alle profitierten von Daves Schlagzeugkunst.
Nun hat der 42-Jährige aus Houston die Zeit gefunden, mit gleichgesinnten Studiocracks wie Bassist Pino Palladino oder dem Multiinstrumentalist James Poyser endlich eine eigene Visitenkarte vorzulegen. Und die ist derart voller Informationen, musikbiografischer Details, Telefonnummern in die Vergangenheit und Links zu allen möglichen anderen Genres, dass einem ein wenig der Kopf brummt.
Der Effekt ist wohl durchaus beabsichtigt. Bei Chris Daves erstem Soloalbum, das 50 (!) Mitwirkende vom Bläserspezialisten über den Orgel-Tastendrücker bis hin zum Sprechgesangsmeister und zur Soulsamtsängerin versammelt, handelt es sich um so etwas wie einen retrofuturistischen Trip in einem verrückten Raumschiff Richtung Planet Groove. Das Bordprogramm umfasst große Teile der schwarzen Musik und Unterhaltungskultur des 20. Jahrhunderts: Die Gospel- und Predigertradition, den P-Funk eines George Clinton, afrikanische Vibrationen à la Fela Kuti, den verkifften Space-Jazz von Pharoah Sanders, Rap, Pop, sogar Comedy.
Letztendlich ist diese Mischung, die an die wilden Collagen eines Flying Lotus erinnert, aber deutlich konsumierbarer ist, ein getreues Abbild von Daves Schlagzeugspiel: Gleichzeitig einfach und in seiner Überlagerung von Rhythmen in verschiedenen Tempi dennoch fies vertrackt, angetrieben von Vorbildern aus der Vergangenheit wie Tony Williams und doch mit einem lässig zuckenden Bein in der Zukunft. Chris Daves Solodebüt ist eine eigenwillige Space Opera, die wie Stanley Kubricks „2001“ stellenweise ziemlich mysteriös und verquast ist, aber irgendwie auch das Bewusstsein erweitert.

Josef Engels, 03.03.2018



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