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Igor Strawinski

Chant funèbre, Feu d´artifice, Scherzo fantastique, Le Faune et la Bergère, Le Sacre du printemps

Sophie Koch, Lucerne Festival Orchestra, Riccardo Chailly

Decca/Universal 483 2562
(70 Min., 8/2017)

2015 und damit in jenem Jahr, als Riccardo Chailly seinen Job als neuer musikalischer Leiter der Mailänder Scala antrat, war man im fernen St. Petersburg in heller Aufregung. Denn einer russischen Musikwissenschaftlerin war in den Archiven des örtlichen Konservatoriums tatsächlich ein Orchesterstück vom Twen Igor Strawinski in die Hände gefallen, dessen Noten direkt nach der Erstaufführung 1909 von der Bildfläche verschwunden waren. Es handelte sich um einen „Chant funèbre“, den Strawinski damals zu Ehren seines verstorbenen Lehrers Rimski-Korsakow komponiert und später sogar als eines seiner besten Frühwerke bezeichnet hatte. Nachdem dieser rund 11-minütige Trauergesang 2016 in St. Petersburg nun endlich zweitaufgeführt werden konnte, durfte ihn Riccardo Chailly nun weltersteinspielen. Zusammen mit dem Lucerne Festival Orchestra, das Chailly seit 2016 ebenfalls hauptamtlich leitet, eröffnet er mit dieser Trouvaille ein Strawinski-Album, das drei weitere Frühwerke mit dem Allzeit-Hit „Le Sacre du printemps“ kombiniert.
Wenngleich Strawinski bei der Komposition des „Chant funèbre“ immerhin schon 26 Jahre alt und damit auf dem Sprung zur Jahrhundertfigur war, ließ er sich es nicht nehmen, musikalisch nicht nur an den Lehrer, sondern auch an zwei weitere Jahrhundertfiguren zu erinnern. Der dunkle, ja fast dämonisch wirkende Ausdruck, der auf dem Orchesterstück lastet, ist eine erstklassige Mussorgski-Reminiszenz. Und über die Wagner-Chromatik entwickelt Strawinski ein Tosen und Sehnen, das nun von Chailly und dem LCO packend und farbenreich in Szene gesetzt worden ist. Allein das Kennenlernen dieses „Chant funèbre“ lohnt sich also. Und da man den drei weiteren Frühwerken „Feu d´artifice”, „Scherzo fantastique” und der pastoralen Szene „Le Faune et la Bergère“ (mit Mezzosopranistin Sophie Koch) auch nicht alle Nase lang begegnet (und dies auf solch einem absoluten Top-Niveau), lohnt sich das Hinhören doppelt. Als Gipfelpunkt folgt schließlich der Ballettklassiker „Le Sacre du printemps”, bei dem es makellos perfekt, aber – leider – dann doch nicht bis zum Äußersten elektrisierend zugeht.

Guido Fischer, 27.01.2018



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