Responsive image
Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Ferruccio Busoni

Violin-Sonaten

Yuuko Shiokawa, András Schiff

ECM/Universal 4815767
(76 Min., 12/2016)

Direkt zu Beginn dieses bewundernswert gelungenen Duo-Albums legen Yuuko Shiokawa und András Schiff die Messlatte ganz nach oben, und zwar im einleitenden Adagio von Johann Sebastian Bachs 3. Sonate für Violine und Klavier. Sie durchmisst das Musiker-Ehepaar derart behutsam und innig, dass man sich sofort wünscht, die Zeit würde stillstehen. Doch der Nachteil bei solchen Träumen und Wünschen läge eben darin, dass man all das Nachfolgende nicht mehr bestaunen könnte, etwa die 10. Violinsonate von Beethoven sowie die 2. Violinsonate von Ferruccio Busoni. Zwei übermächtige B´s der Musikgeschichte teilen sich den Platz mit dem Italiener Busoni, der nicht zuletzt dank seiner unerschöpflichen Bach-Rezeption sehr gut in das Programm passt. Aber Yuuko Shiokawa & András Schiff haben sich hörbar nicht allein aus diesem Grund für ihn bzw. seine kaum gespielte Violinsonate entschieden. Wenngleich das Werk mit einem Variationssatz abschließt, für den Busoni einen Choral aus dem Klavierbüchlein von Anna Magdalena Bach ausgewählt hat, so erweist sich dieser viersätzige Wurf als eine Art Geistergespräch auch mit dem anderen großen romantischen Bach-Jünger Johannes Brahms, der 1897 und damit ein Jahr vor der Sonatenkomposition verstorben war. Und angesichts der in den ungeraden Sätzen angeschlagenen Rhapsodik könnte man Busonis Sonate mit Fug und Recht als Brahms‘ 4. Violinsonate bezeichnen. Doch bewegen sich Yuuko Shiokawa und András Schiff nicht auf musikhistorischen Entdeckungspfaden, vielmehr nehmen sie Busoni genauso ernst wie Bach und Beethoven. Und so kommt es zu einer ungemein ausgeglichen ausmusizierten und eindrucksvoll beredten Würdigung dreier Werke, die in diesem Licht betrachtet eine erstaunliche Seelenverwandtschaft aufweisen.

Guido Fischer, 27.01.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

13 Sekunden! Keine Sekunde mehr oder weniger erfreut sich der Hörer an Ludwig van Beethovens Bagatelle op. 119 Nr. 10. Und diese Episode deutet schon auf das entscheidende Schlagwort der neuen Beethoven-CD von Kilian Herold (Klarinette), Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) und Hansjacob Staemmler (Klavier) hin, das da lautet: Kurzweiligkeit. „Composing Beethoven“ präsentiert freilich keine Stangenware, sondern ein klug konzipiertes Album, das originale Werke des Geburtstagskindes mit […] mehr »


Top