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Pas de géant

Camille Bertault

Okeh/Sony 88985422322
(52 Min., 6/2017)

Was haben Maurice Ravel, John Coltrane, Wayne Shorter, Bill Evans, Michel Legrand und Johann Sebastian Bach gemeinsam? Dass die Sängerin Camille Bertault Stücke von ihnen auf ihr Album „Pas de géant“ übernommen hat. Die 31-jährige Französin fand zu jedem dieser Werke einen eigenen Zugang, der oft weit entfernt vom Original liegt. Zwar tackert sie die erste von Bachs „Goldberg Variationen“ im fröhlichen Barock-Scat, aber der hat wenig mit barocken Arien gemeinsam.
Wayne Shorters „House Of Jade“ – ursprünglich eine getragene Ballade – verwandelt sie in eine fröhliche Brazil-Nummer, und John Coltranes „Giant Steps“ unterlegt sie unter dem Titel „Là où tu vas“ in einer virtuosen Vocalese-Fassung mit einem eigenen Text und kräftigen Beats: ein Paradestück für ihre bewegliche, intonationssichere Stimme. Bill Evans` „Very Early“ bleibt dagegen eine besinnliche Ballade, während das eigene „Conde“ funky kabarettistisch ist. Bei „Tantôt“ sorgt die Akkordeonbegleitung für Chanson-Atmosphäre, und „Winter In Aspremont“ kommt düster und kalt daher.
Sechzehn Titel enthält die Disc, wobei jeder eine andere Facette von Camille Bertaults musikalischer Welt zeigt. Die umfasst Jazz, Brazil, Comedy, Rock, Funk und Chanson. Dabei gibt es nur eine Konstante: Die Souveränität, mit der sie ihre Stimme an die jeweilige Atmosphäre anpasst. Kalt und nüchtern kann sie wirken, aber auch warmherzig und spöttisch. Große Tonsprünge, rasche Silbenfolgen, vertrackte Rhythmen: All das klingt, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Das ist großartig.

Werner Stiefele, 20.01.2018



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