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Carl Philipp Emanuel Bach

Cembalo-Sonaten Wq. 49/I-VI „Württembergische“

Mahan Esfahani

Hyperion/Note 1 CDA67995
(77 Min., 1/2013)

Carl Philipp Emanuel Bachs Klaviersonaten sind ein wichtiges Repertoire im Übergang von der barocken zur klassischen Ästhetik und Stilistik: Über Beethovens Bonner Lehrer Christian Gottlob Neefe etwa könnten sie z. B. das Klaviersonaten-Schaffen Beethovens maßgeblich mitbeeinflusst haben. Es ist die kontrastreiche, bisweilen regelrecht aufgewühlte und auch von Brüchen gekennzeichnete Satzstruktur der Werke, die das barocke Ebenmaß aufbrach und den Weg ebnete zu einer für den direkten vielfältigen Gefühlsausdruck durchlässigeren Art des Komponierens.
Und wie es eben mit wichtigen Übergangs-Kompositionen so ist: Sie verbleiben in ihrer Mittlerposition, ohne selbst auch für die Nachwelt zu nachhaltiger Geltung zu gelangen. Und so steht Mahan Esfahanis brillanter Einspielung der „Württembergischen Sonaten“ Bachs, die 2014 erschien, eigentlich vor allem Bob van Asperens Beleg-Aufnahme aus den Siebzigern gegenüber. Der Vergleich belegt eindrücklich die Kompetenz beider Interpreten: Insgesamt arbeitet van Asperen noch stärker als Esfahani auch mit agogischer Flexibilität, aber beide Cembalisten glänzen mit fein differenzierter Artikulation und mit der Fähigkeit, ihr jeweiliges Ausdrucksanliegen über die Finger sehr unmittelbar dem eigentlich doch vergleichsweise starren Cembalo-Klang beizugesellen: Die Musik spricht auf sehr eindringliche und direkte Weise unter den Händen beider Interpreten. Weil der Gehalt dieser großartigen Sonaten aber ein so umfassender ist, können beide Einspielungen ohne Weiteres nebeneinander bestehen: Esfahani macht allenthalben wieder neue, andere Nuancen hörbar, und die flexible Eloquenz seines Spiels fasziniert von der ersten bis zu letzten Minute. Er ist ein engagierter Anwalt für diesen bemerkenswerten Werk-Zyklus und ruft ihn nachdrücklich zurück ins Bewusstsein der Hörerschaft.

Michael Wersin, 20.01.2018



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