Responsive image

Plays

Oscar Peterson

Verve/Universal 5380361
(382 Min., 11/1951 - 11/1954) 5 CDs

Zum Jahresbeginn ein Schnäppchen. Für rund fünfundzwanzig Euro bietet das Label Verve in einer fünf CDs umfassenden Box die Trio-Aufnahmen von Oscar Peterson, dem Bassisten Ray Brown und den Gitarristen Barney Kessel beziehungsweise Herb Ellis an: frühe Meisterwerke des kanadischen Pianisten, den sein Produzent und Manager Norman Granz zu Beginn der 1950er zum Weltstar aufbaute. Granz, ursprünglich Filmredakteur und Filmproduzent bei Metro-Goldwyn-Mayer hatte ein Faible für Sammelwerke – am bekanntesten ist die Songbook-Reihe, die er 1956 bis 1959 mit der Sängerin Ella Fitzgerald produzierte.
Bereits 1951 bis 1954 ließ er die Serie „Oscar Peterson Plays“ einspielen: Auf zehn Langspielplatten, jede einem der Komponisten Cole Porter, Irving Berlin, George Gershwin, Duke Ellington, Jerome Kern, Richard Rodgers, Vincent Youmans, Harry Warren, Harold Arlen, Jimmy McHugh gewidmet, verwandelte Petersons Trio Jazzstandards sowie Broadway- und Filmmusiken in jenen unaufdringlich swingenden Jazz, der zum Markenzeichen des kanadischen Piano-Schwergewichts wurde. Schon bei diesen frühen Aufnahmen vereinte Peterson seine Liebe zu den Melodien der Stücke mit einer überbordenden Fantasie, sie aus- und umzugestalten, sie zu verzieren oder in Akkorde zu packen und all dies mit einer von allen Bewegungen der rechten Hand unabhängigen Begleitung durch die linke zu ergänzen. Ray Brown und der jeweils aktive Gitarrist – bis Herbst 1953 Barney Kessel und ab Dezember 1953 Herb Ellis – teilen diese Vorliebe für große und kleine Melodien. Fast jeder der hundertdreizehn Titel ist ein Kleinod der Triokunst.
Diese erste Serie wurde noch mono aufgezeichnet. Als die Stereo-LP zum Standard wurde, ließ Granz seinen Meisterpianisten nahezu dasselbe Repertoire in einer Marathonsession vom 14. Juli bis 9. August 1959 auf neun stereo-LPs einspielen – immer noch mit Ray Brown am Kontrabass. Den Platz des Gitarristen nahm nun der Schlagzeuger Ed Thigpen ein. Auf diesen hundertacht Titeln swingt das Trio um Nuancen entspannter als in Petersons frühen Jahren: das zweite, ebenfalls fünf CDs umfassende Schnäppchen „The Song Books“, auch für rund fünfundzwanzig Euro erhältlich. Als Quelle der beiden Editionen dienten Tonbänder und Langspielplatten. Das leichte Zischen beziehungsweise gelegentliche Knacksen dieser historischen Dokumente konnte nicht vollständig eliminiert werden. Sie sind so jedoch so schwach, dass der insgesamt gute Klang nicht nachhaltig gestört wird.

Werner Stiefele, 06.01.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top