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Johann Sebastian Bach

Die Kunst der Fuge

Ottavio Dantone, Accademia Bizantina

Decca/Universal 4832329
(77 Min.)

Für die einen bleibt Bachs kontrapunktisches Manifest weiterhin gelehrtes musikalisches Trockenfutter. Für die anderen ist die „Kunst der Fuge“ ein von Menschengeist gemachtes Wunder. So weit liegen die grundlegenden Meinungen zu diesem Werk auseinander. Diskussionsstoff liefern bis heute aber auch noch weitere nicht unerhebliche Detailfragen. Muss man die allerletzte, nach 239 Takten ins absolute Nichts abrutschende „Fuga a 3 soggetti“ vielleicht doch ergänzen, um diesem Riesentorso eine Gestalt zu verleihen, die Bach möglicherweise gewünscht hätte? Und wie sieht es mit der richtigen Instrumentenwahl aus? Schließlich ist dazu von Bach nichts überliefert. Inzwischen gibt es sogar Fassungen für Saxofonquartett oder für zwölf Celli. Die Versionen aber, auf die sich selbst die Hardliner der Alten Musik einigen können, sind wahlweise die für Orgel, Cembalo oder Kammerensemble. Nun aber bringt der italienische Cembalist Ottavio Dantone mit seinem fünfköpfigen Ensemble Accademia Bizantina eine vierte Aufführungsmöglichkeit ins Spiel. Statt sich für eine der geläufigen zu entscheiden, hat Dantone sie alle für seine Aufnahme kombiniert. Zur Begründung führt er im Booklet an, dass man mit nur einem einzigen Instrument niemals in die wahren Empfindungstiefen dieses Werkes vordringen könnte. Nun also wechselt sich Cembalist Dantone Stück für Stück mit seinem Organisten Stefano Demicheli und dann wieder mit den vier Streichern ab. Oder Cembalo und Orgel verbünden sich sogar – wie etwa im „Contrapunctus 5“. Auf CD liegen bereits mehr als großartige Plädoyers für eine bestimmte Aufführungsvariante vor. Der ständige Wechsel sowie das dialogische Miteinander sorgen aber nun dafür, dass dieser Fugen-Reigen nicht mehr als ein Monument der absoluten Musik daherkommt – sondern sich als ein vielfarbig diesseitiges, intellektuell nicht abgehobenes Gespräch zwischen Musikern entpuppt, dem zu Lauschen viel Gewinn und sogar Freude bringt.

Guido Fischer, 16.12.2017



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