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Antonio Vivaldi, Luigi Sammartini, Domenico Elmi, Giovanni Alberto Ristori

Tesori d’Italia (Concerti und Sonaten)

Albrecht Mayer, I Musici di Roma

DG/Universal 028947971443
(70 Min., 5/2016)

Ups, er hat es wieder getan, wenn auch erst zum zweiten Mal. Diesmal aber richtig. Albrecht Mayer, einer der bestverkauften, aber auch besonders fleißigen Solokünstler seines Labels, hat pünktlich zum Weihnachtsgeschäft (samt darin eingebetteter Tour mit zwölf Stationen) und als zwölfte Soloveröffentlichung eine CD mit italienischen Oboenkonzerten herausgebracht. Nun könnte man denken, dass solches – neben Bach – das Hauptgeschäft für sein Instrument sei, doch er hat lieber abseits bekannter Pfade gesucht. Nach einer ersten Scheibe, die sich 2008 geografisch auf Venedig beschränkte, ist jetzt der ganze Stiefel Italiens sein Jagdrevier. Theoretisch. Wobei man das nicht so eng sehen darf: Diese Musik war damals, am Anfang des 18. Jahrhunderts, quasi die lingua franca des musikalischen Hochbarock und in ganz Europa gelitten. Antonio Vivaldi (1678-1741) wirkte in Venedig, wo auch der kaum bekannte Domenico Elmi (ca. 1676-1744) nachgewiesen ist, und starb in Wien. Giuseppe Sammartini (1695-1750) stammte aus Mailand, starb aber in London, und der Bologneser Giovanni Alberto Ristori (1692-1753) in Dresden – nachdem er auch eine Zeitlang in Warschau und St. Petersburg gelebt hatte. Wieder hat Mayer in diversen Bibliotheken zwischen Dresden und Stockholm gesucht und ist für diese Endauswahl sechsmal fündig geworden. Das bekannte Solostück Vivaldis geht er mit fast keuschem Ton an, erstmals zu hören sind das spannungsvolle Elmi- und ein Sammartini-Werk. Begleitet wird er ganz authentisch und abwechslungsreich von I Musici di Roma. Die galten lange als Pioniere des berüchtigten Italo-Nähmaschinen-Barock, haben sich aber stilistisch hörbar weiterentwickelt. So können sie und Mayer jetzt gekonnt akustische Baci verteilen – mit ein paar bittersüßen Amarettini darunter. Dolce!

Matthias Siehler, 09.12.2017



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