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Claude Debussy

Cellosonate, Violinsonate, Sonate für Flöte, Violine und Harfe, Klaviertrio, „Syrinx“

Renaud Capuçon, Emmanuel Pahud, Gérard Caussé, Edgar Moreau, Marie-Pierre Langlamet, Bertrand Chamayou

Erato/Warner 9029577396
(66 Min., 12/2016, 3/2017)

Auch 2018 wird wieder so ein Jahr sein, in dem man ausgiebig an gleich mehrere große Komponisten erinnert. Leonard Bernstein und Bernd Alois Zimmermann wären nämlich 100 Jahre alt geworden, und Claude Debussy hingegen verstarb im Jahr ihres Geburtstags. Zur passenden Einstimmung auf das Debussy-Jahr gibt es bereits jetzt eine Kammermusik-Einspielung, die die Messlatte für kommende diskografische Würdigungen ziemlich hoch legt. Nun könnte man allein angesichts der aufgebotenen Interpretenprominenz mutmaßen, dass hier ein Debussy von ebenso funkelndem aufführungspraktischem Niveau geboten werden wird. Aber wie oft haben zusammengewürfelte Allstar-Formationen die Erwartungen schnell enttäuscht. Nicht aber eben im Fall der vom Schweizer Emmanuel Pahud komplettierten French Connection um Geiger Renaud Capuçon und Pianist Bertrand Chamayou. Jedem der Musiker scheint diese französische Moderne mit ihren verlockend eleganten, ungemein sinnlichen wie subtil spannungsvollen Zügen nicht bloß in Herz und Blut übergegangen zu sein – für sie ist Debussy regelrecht zu einer Klangmuttersprache geworden. So exakt und doch so fantasievoll spürt man in diesen mehrheitlich den letzten Lebensjahren Debussys entstammenden Werken dem auratischen Raffinement nach. Dabei achtet man aber zugleich auf eine gewisse sachliche Strukturdurchleuchtung, um Debussys Stellenwert für die Musik des 20. Jahrhunderts zu untermauern. Im einsamen Flötengesang „Syrinx“ macht Pahud deutlich, warum der östlich inspirierte Debussy seinerseits bei den Komponisten im fernen Japan Spuren hinterlassen hat. Die drei Sonaten für Klavier und Cello bzw. Violine bzw. Flöte, Viola und Harfe, die zwischen 1915 und 1917 geschrieben wurden, erweisen sich in den Solo-Händen von Edgar Moreau, Renaud Capuçon, Pahud, Gérard Caussé und Harfenistin Marie-Pierre Langlamet als teils melancholisch hin- und herwiegende Klangzauberblüten. Und mit dem Klaviertrio des 18-jährigen Debussy erklingt im Finale ein Stück, bei dem man sich fragt, warum sich diese musikalische Idylle nach wie vor ihren Platz im Repertoire erkämpfen muss.

Guido Fischer, 09.12.2017



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