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I Know I Dream

Stacey Kent

Okeh/Sony 88985462882
(66 Min., k. A.)

Für die Sängerin Stacey Kent erfüllte sich ein Traum, als ihr die Plattenfirma vorschlug, ein Album mit einem 58-köpfigen Orchester einzuspielen. Dies ist in doppelter Hinsicht ein Zeichen des Vertrauens: einerseits geht die Firma davon aus, dass die Verkaufszahlen die enormen Produktionskosten wieder einspielen, und andererseits erwartet sie von der Künstlerin, dass sie sich in der ungewohnten Umgebung behauptet. Bei rund zwei Millionen verkauften Alben und einer Grammy-Nominierung scheint die erste Hoffnung realistisch, und die zweite erfüllte Stacey Kent ebenfalls.
Wer nun ein Orchesterwerk von klassischer Qualität erwartet, geht in die Irre. Dies widerspräche den Regeln des Genres der Jazzsänger mit Orchesterbegleitung. Es kommt eher darauf an, wie das Orchester als Soundelement eingesetzt wird – und hier leisteten die Arrangeure ganze Arbeit. Sie schufen der in Europa lebenden Amerikanerin eine Umgebung, in der sie und ihre fünfköpfige Band weder erdrückt werden noch wie ein Fremdkörper im Orchester wirken. Andererseits wird das Orchester nicht nur – wie oft in diesem Genre üblich - als fülliger Klangkörper genutzt, der nur die Harmonien aufplustert. Stattdessen nutzen die Arrangements die Streicher sowie die Blech- und Holzbläser für geschickt eingestreute Farbtupfer, die – ebenso wie ihr Ehemann, der Saxophonist Jim Tomlinson, je nach Situation mit sensibel wechselnden Klangfarben untermalend oder kommentierend eingreifen.
Das Repertoire vereint Songs mit beschwingten Latin-Rhythmen – bei fünf brasilianischen Cover-Versionen, darunter das von Antonio Carlos Jobim stammende „Photographs“, kein Wunder. Hinzu kommen drei sorgfältig mit Orchesterklängen ergänzte Coverversionen französischer Chansons. Aus dem Repertoire von Juliette Gréco stammt „Les Amours perdues“, von Niro Ferrer „La Rua Madureira“ und von Léo Ferre „Avec Le Temps“. Hinzu kommen vier Originals.
Stacey Kent interpretiert sie alle zurückhaltend und einfühlsam. Sie meidet die große sängerische Geste. Stattdessen setzt sie kleine, feine dynamische Nuancen und unterstreicht damit die Inhalte der Texte. Dass ihre Wurzeln im Jazz liegen, ist ihrer Phrasierung anzumerken. Mit „I Know I Dream“ ist ihr ein Album des gehobenen Entertainments gelungen.

Werner Stiefele, 24.11.2017



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