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I Am A Man

Ron Miles

Yellowbird/Soulfood YEB7776
(57 Min., 12/2016)

Mögen Sie es aufregend, nervös, hektisch? Oder gelassen, in sich ruhend, agil? Die zweite Gruppe könnte Gefallen am Quintett des Kornettisten Ron Miles finden. Der hat mit dem Schlagzeuger Brian Blade, dem Gitarristen Bill Frisell, dem Kontrabassisten Thomas Morgan und dem Pianisten Jason Moran vier Musiker um sich versammelt, die schon seit langem nicht mehr zeigen müssen, welch grandiose Virtuosen sie sind, genauso wenig wie sie durch Gimmicks ihre Klasse unter Beweis stellen müssten.
Dass sie zu den Großen zählen, verrät jeder ihrer sorgsam gesetzten Töne. Die kommen auf den Punkt und ergeben im Zusammenklang ein schwebendes Geflecht, in dem Ron Miles` Bläserklang mitschwebt. Sie lassen Zwischenräume, sie warten ab, und zwischendurch verdichtet sich ihr Zusammenspiel, als schiebe der Wind das Geflecht etwas dichter zusammen, um es wenig später wieder zu öffnen. So blühen immer wieder neue Variationen der Themen oder von Teilen der Themen auf und enthuschen wie die Samenschirmchen einer Pusteblume.
Die erste Zutat zu seinen Kompositionen sei „Liebe“, lässt sich Ron Miles im Booklet zitieren: „Die Liebe gegenüber meinen Mitmusikern. Die Liebe gegenüber meinem Publikum. Die Liebe gegenüber der Tradition, in der ich auch ein Teil bin.“ Diese Einstellung schimmert in allen sieben Stücken durch: Hier geht es nicht ums Übertrumpfen, Ausstechen, Dominieren, Führen oder Dienen. Jeder leistet seinen Beitrag in einem Kollektiv gleichberechtigter Partner. Insofern durchweht auch ein Hauch von Utopie die Disc.

Werner Stiefele, 18.11.2017



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