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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Claude Debussy, Gabriel Fauré, Anton Webern u.a.

The Cello In Wartime

Steven Isserlis, Connie Shih

BIS/Klassik Center Kassel BISSACD-2312
(65 Min., 11/2016) SACD

Keine Sorge: Steven Isserlis spielt nicht das gesamte Programm dieser CD auf einem „Schützengraben-Cello“ wie dem auf dem Cover der CD abgebildeten, gefertigt aus einer Munitionskiste und weiterem an grausigem Kriegsschauplatz verfügbaren Zubehör. Und nochmals keine Sorge: Die vier Stücke, die Isserlis tatsächlich auf dem Schützengraben-Cello spielt – darunter Saint-Saëns` „Schwan“ – klingen nicht nur recht anständig, sondern klanglich ausgesprochen kultiviert! Erstaunlich, was ein Meister wie Isserlis einem Notbehelf, der von seinem einstigen Besitzer tatsächlich an der Front gespielt worden ist, zu entlocken vermag.
Der größere Teil des Programms steht nicht direkt in interpretatorischer, aber in inhaltlicher Verbindung zum Kriegsgeschehen. Besonders deutlich wird dies in der zweisätzigen Sonate des englischen Pazifisten Frank Bridge, deren erster Satz 1913 vor dem Krieg, deren zweiter dann aber unter dem Eindruck des Kriegsgeschehens entstanden ist: Stimmungswechsel und stilistischer Bruch sind unüberhörbar. Debussys Cellosonate dagegen, entstanden 1915, ist zumindest ein Manifest eigenständig französischer Stilistik in Abgrenzung zum deutschen Idiom, das u.a. in Gestalt des „wagnérisme“ die französische Musikkultur so lange beeinflusst hatte. Isserlis diskutiert im Beiheft außerdem die neuere These, in dem Werk seien auch ein Luther-Choral und die Marseillaise motivisch einander gegenübergestellt. Gabriel Faurés Cellosonate schließlich und die „Drei kleinen Stücke“ op. 11 sind ebenfalls während des 1. Weltkrieges entstanden – unterschiedlicher könnten musikalische Äußerungen wohl kaum ausfallen, wenngleich Fauré hier in seinem Spätstil schon mit einer weniger gefälligen Oberfläche arbeitet und Weberns Musik ja durchaus lyrische Qualitäten hat – aber dass die französische und die deutsche Musikkultur sich in Teilen weit auseinanderentwickelt haben, wird an diesen Stücken dennoch deutlich.
Isserlis wird auf dieser CD begleitet von der Kanadierin Connie Shih, die sich als herausragend einfühlsame Pianistin präsentiert. Auf Isserlis‘ nachdenklich-poetischen Interpretationsstil vermag sie sich voll und ganz einzulassen – die expressive Kongruenz ist beachtlich.

Michael Wersin, 18.11.2017



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