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In The Shadow Of A Cloud

Yelena Eckemoff

L&H/in-akustik 01915125
(97 Min., 12/2016) 2 CDs

Die russische Pianistin Yelena Eckemoff ist ein erstaunliches Persönchen. Seitdem sie 1991 in die Staaten ging und dort nach Ausflügen in die Klassik, die christliche Musik und Folk 2009 beim Jazz landete, hat sie mittlerweile zehn Alben mit illustren amerikanischen und europäischen Improvisatoren von Peter Erskine bis Verneri Pohjola aufgenommen. Auch „In The Shadow Of A Cloud“ weist Spitzenkräfte wie Saxofonist Chris Potter oder Gitarrist Adam Rogers auf, wurde von der Pianistin in Eigenregie produziert und mit eigenen Gemälden illustriert.
Doch so naiv wie die Landschaftsbilder, die Cover und Booklet zieren, ist Eckemoffs musikalische Reise in die eigene Jugend auf dem russischen Land an keiner Stelle. Vielmehr sind die Kompositionen der hörbar von Spätromantik und Impressionismus beeinflussten Pianistin minutiös durchgeplant. Motive und Begleitlinien, die oftmals etwas schwer identifizierbar Osteuropäisch-Slawisches durchschimmern lassen, sind eng verwoben. Und sie werden behutsam durch die Instrumentengruppen hindurchgereicht wie eine filigrane Giacometti-Figur, die in kleinen freien Passagen mutwillig auseinandergenommen wird.
Es sind Stücke, die zwar still swingen oder auch mal so etwas wie einen Bossa-Rhythmus erkennen lassen mögen (delikat von Bassist Drew Gress und von Schlagzeuger Gerald Cleaver angedeutet), dabei aber völlig klischeefrei wirken. Eckemoffs Tongemälde liefern Potter, der neben Tenor- und Sopransax auch mal zu Flöte und Bassklarinette greift, und Rogers einen Rahmen für tiefenentspanntes Melodienweiterspinnen. Ebenso unaufgeregt tupft die Pianistin ihre Soli wie Trippelschritte auf feuchtem Gras in die imaginierten Felder und Gewässer ihrer Jugenderinnerungen. Herbstjazz für die länger werdenden Nächte, in denen die Hoffnung auf den Frühling glimmt.

Josef Engels, 11.11.2017



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