Auf der Bühne ist diese Oper schwer zu ertragen: Wenn da eine gute Stunde lang fast ausschließlich ein einziger Sänger zu sehen ist, der nichts anderes zu tun hat, als zu klagen und ein paar Treppenstufen zum Hades hinab und von dort wieder hinauf zu steigen, dann kann das, so der Regisseur denn nicht barocke Zaubereien en masse reanimiert, einfach ziemlich langweilig sein. In Glucks "Orpheus und Eurydike" liegt das Drama nicht draußen, und es liegt nicht auf der Hand - sondern in den viel singenden und wenig handelnden Personen selbst. Da allerdings ist es so packend ausgestaltet und wird es von so wundervollen Melodien ausgekleidet, dass man das Stück mit Recht zu den schönsten Opern überhaupt rechnen darf.
Allerdings bedarf es einiger Unterstützung von Interpretenseite, um diese Favoritenrolle zu rechtfertigen. Dass die bei dieser Produktion nicht überzeugend ausfällt, liegt vor allem an Ann-Christine Biel, die den Orfeo zwar ordentlich singt, abgesehen von einigen Schwächen in der Tiefe und von gelegentlichen Unebenheiten beim Ausgleich der verschiedenen Höhen-Register, dem Titelhelden jedoch weder in Freud noch in Leid wirklich Kontur verleiht. Ähnliches wäre über Maya Boogs Euridice und über Kerstin Avemos Amor zu sagen.
Und Arnold Östman leitet die Musiker aus Drottningholm zwar mit gewohnter Lust an Tempo-Extremen und Ausdrucks-Kontrasten - doch wirkt auch er dort, wo sein pointierter Zugriff etwa den Furien-Szenen Wildheit hätte verleihen können, um einiges zu zahm und insgesamt zu flach - als ob er das glückliche Ende des Stücks in seine Darstellung bereits eingearbeitet hätte.

Susanne Benda, 25.07.2002



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