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In Rom

Götz Alsmann

Blue Note/Universal 5763319
(64 Min.)

Blicken wir zurück. Weit zurück. Noch weiter. So weit, dass wir in den muffigen 1950ern ankommen, in denen die deutschen Wirtschaftswunderbürger Italien als Urlaubsland entdeckten und „Carina“ anschmachteten und sich mit „Schau dich nicht um“ oder „Ciao, Ciao, Bambina“ von der Urlaubsliebelei verabschiedeten oder auch „Das kann der Anfang unserer Liebe sein“ behaupteten. Für „In Rom“ hat Götz Alsmann achtzehn Italo-Schlager aus den 1950ern bis 1970ern ausgegraben und tatsächlich in Rom, nämlich in dem vom Komponisten Ennio Morricone gegründeten Forum Music Village Studio eingespielt. Er besingt jedoch nicht nur die kleinen Liebeleien: Er nimmt auch „Volare“, die „Caprifischer“, „Arrivederci Roma“ oder „Quando, quando, quando“ auf die Disc. Hierbei griff er nicht nur auf die ursprünglichen Texte zurück, sondern schuf für fast die Hälfte der Songs neue Lyrics. Wie er es schon „In Paris“ und „In New York“ vorgemacht hat, interpretiert er nun „In Rom“ achtzehn Songs mit einem leisen Hauch von Ironie und doch so liebevoll, dass seine untergründige Begeisterung für dieses Repertoire durchschimmert. Im Team mit Markus Paßlick und Rudi Marhold an Percussion und Schlagzeug, dem Kontrabassisten Ingo Senf und Altfrid M. Sickling an Mallets, Glocken, Klarinette und Trompete greift er die Schlagerbegleitung der Entstehungsjahre auf, wobei er selbst Klavier, Akkordeon, Orgel, Banjo, Ukulele, Hawaiigitarre und Mandoline spielt. Nur wer genauer hinhört, erkennt, wie sie die Schlager mit leiser Ironie überspitzen und mit einem kaum spürbaren Hauch von jazzigem Swing bereichern. Das weckt nostalgische Gefühle, derer sich auch jene, die Distanz zu Schlagern wahren, nicht zu schämen brauchen.

Werner Stiefele, 21.10.2017



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