home

N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



Interessant: Wir wussten gar nicht, dass Bizet sein berühmtes „Perlenfischer“-Duett auch in einer Bariton-Bass-Fassung veröffentlich hat. Eigentlich sind hier ja – angeblich zum ersten Mal in der CD-Geschichte – Tenor-Bass-Duette angekündigt. Aber Rolando Villazón singt inzwischen mit ziemlich glanzloser Höhe. Und der solide, immerhin ganz gut aussehende Russe Ildar Abdrazakov ist eigentliche eher ein dunkler Bass-Bariton und wobbelt am Stimmgrund gemütlich vor sich hin. So hören sich die ceylonesischen Preziosentaucher wie eine Stufe tiefergelegt an. Singt Abdrazakov dann freilich gleich als nächstes den Boito-Mefistofele (und pfeift ihn auch), eine echte Basspartie, dann klingt er nach Diät und Magerquark, muss untenherum drücken zudem. Da stellt sich Sinn und Zweck dieser CD schon nach dem zweiten, auf Goethe zurückgehenden Stück quasi als Gretchenfrage. Villazón, der mit diesem Duett-Album zugleich auch seine Fans bedienen kann, grub dafür in vergleichsweise unbekanntem Terrain, wohl auch, damit sich der Star nicht zu vielen Vergleichen als Tenor aussetzen muss. Im Studio kann man manches noch begradigen, aber die beiden sollen das Repertoire anschließend auch sieben Mal live auf Europatournee im November und Dezember singen. Zu den lukrativen Terminen liefert das Album sozusagen die digitale Klangbeilage. Die bietet Buffo-Buntes von Donizetti, wo Villazón selbst als „Don Pasquale“-Ernesto schön gequält klingt, einen Schnipsel aus Verdis „Simon Boccanegra“, und etwas Gounod-„Faust“ und „Carmen“. Dazu extra arrangierte Lollipops wie „Granada“ oder „Ochi chernye“, von Yannick Nézet-Séguin und seinem ehemaligen Kinderklangkörper Orchestre Métropolitain de Montréal kostengünstig gespielt. Wer es mag? Die Musikwelt braucht es aber nicht wirklich.

Matthias Siehler, 14.10.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Traditions-Linien: Mit seiner „Lachrimae“-Pavane habe John Dowland nicht nur ein exzellentes Musikstück für Laute komponiert, sondern einen sinnierenden, wehmütigen und nachhorchenden Ton angeschlagen, der für mehrere Jahrhunderte im Lautenrepertoire den Stil vorgegeben hat, ist sich der baskische Lautenist Enrique Solinís sicher. So nennt er sein neues Album „Ars Lachrimae“, hat aber nicht Dowland eingespielt, sondern den Blick auf seine Nachfolger gelegt. Zwei Suiten von Johann […] mehr


Abo

Top