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Far Into The Stars

Markus Stockhausen

Okeh/Sony 89854 50422
(73 Min., 2/2016)

Wer zu den Sternen aufschaut, sieht eine unüberschaubar große Zahl heller Punkte. Weiträumig ist diese Welt, und die Lichtpunkte schwingen nach unendlich gültigen Gesetzen. Klein und bescheiden fallen im Vergleich dazu alle Erklärungsversuche der Astrophysiker und Atomkern-Forscher aus, und so bleibt nur eines: das noch nicht Erklärbare als solches zu akzeptieren und seine Harmonie zu genießen. Mit seiner Band Quadrivium macht der Trompeter Markus Stockhausen genau dies: Sie spielen neun Kompositionen, in denen sich Freude, Andacht, Bewunderung spiegeln, indem sie angenehme, oft hymnische Melodien und beschwingte Ensembleklänge vereinen. Mit wabernden Sounds, erzeugt mit Cello, über elektronische Effektgeräte geblasener Trompete, sonstigen Electronics, Klaviertupfern und Percussion brechen sie im vierzehnminütigen Titelstück „Far Into The Stars“ in melodieselige Regionen auf. Dort strahlt – durch eine Zäsur abgetrennt – Markus Stockhausens Trompete im Austausch mit weiträumig angelegtem Ensembleklang des Pianisten Angelo Comisso, des Perkussionisten Christian Thimé und des Cellisten Jörg Brinkmann: Sie sind auf einer Wohlfühloase angekommen, in der sie im dritten Satz mit kräftiger Motorik etwas Neues aufbauen, das schließlich im Nichts verebbt. Das folgende „Encoer“ verwandelt sich aus einer sanft schwingenden Ballade in eine drängende, hymnische, pulsierende Nummer, und „Our Father“ wirkt wie eine lose Spirale heiterer Gedanken. Sie tanzen eine „Passacaglia“, sie reisen mit „Kult“ durch sphärische Sounds, als wechselten sie in einem Science-Fiction-Film den Planeten, und sie landen in einem durch nahezu barocke Cello-Figuren geprägten „Choral am Ende der Reise“. Als „Freigeist“ weht der Trompetenklang über einem nervösen Puls, aus dem sich eine zärtliche Ballade als neue, kommunikative Heimat entwickelt. Mit „Warmlicht“ bleiben sie im Wohlklang, und mit „Schnee von heute“ träumen sie sich in eine weiche, unendlich weite Winterlandschaft als kleine, nahe Replik auf die anfängliche Reise in die Ferne. Markus Stockhausen hat die neun Titel noch mit dem großartigen Tonmeister Walter Quintus abgemischt – entsprechend makellos ist der Sound.

Werner Stiefele, 26.08.2017



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