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Smokin‘ In Seattle (Live At The Penthouse 1966)

Wynton Kelly Trio, Wes Montgomery

Resonance/H’Art HCD2029
(54 Min., 4/1966)

Der Titel „Smokin‘ In Seattle“ hat in zweierlei Hinsicht Berechtigung. Zum einen stammen die Aufnahmen aus einer Zeit, in der ein Gitarrist noch während des Auftritts eine Fluppe in den Mundwinkel klemmen durfte, und zum anderen strahlt der Mitschnitt des Wynton Kelly Trios mit dem Gastgitarristen Wes Montgomery vom 14. und 21. April 1966 immense Hitze aus. Er entstand in einer Zeit, in der die Jazzwelt über Free-Jazz debattierte, weiträumige Konzepte entwickelte und sich Soul und Rock näherte. Davon gänzlich unbeeindruckt, swingt das Wynton Kelly Trio so selbstverständlich, wie es in den 1950ern üblich war. Beide Sets eröffnet es jeweils ohne Montgomery, einmal mit „There Is No Greater Love“ und „Not A Tear“, und das andere Mal mit „Sir John“ und „If You Could See Me Now“. Darauf folgen beim ersten Termin mit „Jingles“, „What’s New“ und der ausgeblendeten Version des „Blues in F“ beziehungsweise „West Coast Blues“, der federnden Bossa Nova „O Morro Não Tem Vez“ und einem gekürzten „Oleo“ jeweils zwölf Minuten des Trios mit Montgomery. Diese Quartettaufnahmen zeigen, wie perfekt Montgomery und Kelly die beiden Harmonieinstrumente Gitarre und Piano ineinander verflochten, ohne um die Dominanz zu rangeln oder sich sonst ins Gehege zu kommen. Die wunderbaren, melodiebeseelten Improvisationen Montgomerys und das traumwandlerische Zusammenspiel von Montgomery, Kelly, dem Kontrabassisten Ron McClure und dem Schlagzeuger Jimmy Cobb machen es umso bedauerlicher, dass die Aufnahmen der beiden Abende nicht in voller Länge zur Verfügung gestanden haben, sondern nur die Sendebänder, die – passend zum halbstündigen Format der Rundfunkausstrahlung – jeweils nach etwa 27 Minuten ausgeblendet wurden. Die hohe musikalische Qualität macht diese Mitschnitte zur attraktiven Ergänzung des ein Jahr zuvor aufgenommenen, unter Montgomerys Namen veröffentlichten Klassikers „Smokin‘ At The Half Note“ derselben Besetzung. Dieses Album wurde 2005 in der Verve Master Edition um sechs Bonustracks gegenüber der Ur-Veröffentlichung ergänzt.

Werner Stiefele, 05.08.2017



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