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Serenade For Horace

Louis Hayes

Blue Note/Universal 5761782
(59 Min.)

Wer einen runden Geburtstag feiert, hat alles Recht der Welt, sich selbst ein Geschenk zu machen. Der Schlagzeuger Louis Hayes erinnerte sich vor seinem 80. Geburtstag daran, wie wichtig für seine persönliche Entwicklung jene vier Jahre von 1956 bis 1959 waren, in denen er in der Band des Pianisten Horace Silver dem kernigen Hard Bop frönte. Dessen Musik, beschloss er, sollte am Leben gehalten werden – und zwar unverfälscht im Idiom der 1950er Jahre und doch nicht in Form simpler Transkriptionen.
Mit dem Kontrabassisten Dezron Douglas und dem Pianisten David Bryant fand er gleichgesinnte Mitstreiter, wobei Bryant die Aufgabe übernahm, die zehn Silver-Stücke so zu arrangieren, dass sie Hayes Band mit dem Trompeter Josh Evans, dem Tenorsaxofonisten Abraham Burton und dem Vibrafonisten Steve Nelson entsprachen. Für eine bezaubernde Version von Silvers „Song For My Father“ ergänzt der Sänger Gregory Porter die Band.
Die swingende Grundhaltung des Hard Bop, die kantigen Rhythmen und harschen Breaks, das Hin und Her von Soli und vollständiger Band behält Louis Hayes´ Sextett bei dieser Zeitreise bei. Andererseits nimmt sich jeder Solist die Freiheit, sich von den historischen Vorbildern zu befreien und eigene, seiner Persönlichkeit entsprechende Soli einzubringen. So erinnern „Señor Blues“, „Juicy Lucy“, „Silver’s Serenade“ und andere Klassiker aus Silvers Repertoire zwar an die historischen Vorbilder, sind aber trotzdem Ton für Ton von heute. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk als diese von Hochachtung geprägte Verbeugung vor dem Bandleader, der ihm in New York zum Durchbruch verhalf, hätte sich Roy Hayes zu seinem 80. Geburtstag am 31. Mai kaum machen können. Dass sein eigens für dieses Album komponiertes „Hastings Street“ nicht aus dem Rahmen fällt, verdeutlicht, wie tief er den Silver’schen Hard Bop verinnerlicht hat.

Werner Stiefele, 29.07.2017



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