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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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#6

ADHD

ADHD Records/Cargo 00113405
(44 Min.)

Die vier Isländer, die sich unter dem Namen ADHD 2008 zusammengeschlossen haben, mögen unter allem möglichen leiden – aber bestimmt nicht unter dem Zappelphilipp-Syndrom. Saxofonist Oskar Gudjonsson, Hammond- und Klavierspieler David Jonsson, Gitarrist und Bassist Omar Gudjonsson sowie Schlagzeuger Magnus Trygvason Eliassen haben vielmehr die Ruhe weg.
Die Stücke auf ihrer inzwischen sechsten Einspielung entwickeln stets einen hypnotischen Sog. Auf der Basis eines rumpligen, rockgrundierten Schlagwerks und sonoren Bässen, die nicht selten mit Plektrum gespielt werden, entwickeln die Nordmänner lakonische Erzählungen, in denen ein stoisch nuschelndes Saxofon durch dampfende Vulkanlandschaften wandelt.
Ist es Fake-Jazz, der Soundtrack eines skurrilen skandinavischen Roadmovies oder düstere Unterhaltungsmusik für die seebärige Besatzung eines Fischerboots, in dessen Bauch sich die Band samt Familienanhang fürs CD-Inlay hat fotografieren lassen? Das möge jeder für sich selbst entscheiden.
Sicher ist nur, dass man sich den akustischen Stimmungsbildern der Isländer nur schwer entziehen kann. Dafür verantwortlich ist auch der Toningenieur Ivari Ragnarssyni, der geschickt den Bandsound manipuliert. Da klingt die Orgel plötzlich so, als habe man sie unter Deck in einem sinkenden Kahn vergessen, da verwandelt sich die Snare in ein Gewehr, das in weiter Ferne Schüsse auf eine geisterhafte Erscheinung abgibt.
Alles in allem wirkt die Musik auf „#6“ so, als habe ein schwermütiger Hipster ein isländisches Remake von „Fellinis Schiff der Träume“ gedreht, bei dem sich die Crew von Miles Davis' „Bitches Brew“, ein von oben bis unten tätowierter Schwippschwager von Jan Garbarek und die Postrock-Band Tortoise auf einer gemeinsamen Fahrt Richtung Weltuntergang begegnen. Surreale Instrumentalmusik on the rocks!

Josef Engels, 15.07.2017



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