Responsive image

Jazz Because

Jasper van’t Hof

Jaro/Jaro 4336-2
(294 Min., 1971 - 2016) 4 CDs

Vier CDs, fast fünf Stunden Musik: Die Jubiläums-Kompilation zu Jasper van’t Hofs 70. Geburtstag fällt üppig aus. 46 Titel wurden für den übergroßen Digipack ausgewählt, der älteste eine Konzertaufnahme von Radio Bremen aus dem Jahr 1971 und der jüngste eine Studioaufnahme von 2016. Sie verdeutlichen, welch enorme stilistische Bandbreite der am 30. Juni 1947 geborene Holländer im Verlauf seiner über 50-jährigen Bühnenkarriere abdeckte. Vom akustischen Jazz bis zur elektrifizierten Fusion und Afropop reicht das Spektrum, und zwischendurch setzt sich van’t Hof auch auf die Bänke von Kirchenorgeln. Mit seiner Afro-Band „Pili Pili“ verhalf er der Sängerin Angélique Kidjo zum Durchbruch, und in den Bands „Association P.C.“ und „Pork Pie“ prägte er die Frühphase der europäischen Fusion. Er konnte sich auf magische Trancebeats und psychedelische Klangexperimente einlassen, in mystische Sphären abtauchen und sensible Zwiegespräche führen. Vor allem mit dem Altsaxofonisten Charlie Mariano schwelgte er in den Melodien: Das klang oft, als hätten sich zwei Seelenverwandte gefunden. Zwei der vier CDs wurden aus veröffentlichten Platten zusammengestellt. Unter den Live-Aufnahmen finden sich neun Aufzeichnungen von Radio Bremen und drei des NDR. Zwei Mischpultmitschnitte erinnern zudem an van’t Hofs experimentelle Zusammenarbeit mit dem Elektro-Jazz-Geiger Zbigniew Seifert – ein fast vergessenes Kapitel der europäischen Jazzgeschichte. Vor allem eins wird durch die klug getroffene Auswahl an Titeln offensichtlich: Jasper van’t Hof stand (und steht) mitten in der Jazzentwicklung und verlieh ihr insbesondere im elektronischen Bereich und durch seine stilistische Vielfalt wichtige Impulse. Dies unterstreicht auch die ausführliche Vita van’t Hofs in dem 94-seitigen Booklet.

Werner Stiefele, 10.06.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top