home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Startseite · Künstler · Gefragt

Emmanuel Pahud

Der Mann mit der goldenen Flöte

Emmanuel Pahud ist der sowohl renommierteste wie bestaussehende Flötist seiner Generation – und der erste seit James Galway, der einen Exklusiv-Plattenvertrag mit einem großen Label hat.

RONDO: Herr Pahud, Sie gelten als Konzertjunkie. Wie oft brauchen Sie die »Droge Auftritt«?

Emmanuel Pahud: Als Solist trete ich etwa 80 Mal im Jahr auf. Dazu kommen noch 70 bis 75 Konzerte bei den Berliner Philharmonikern.

RONDO: Könnten Sie nicht auf die Konzerte mit den Berliner Philharmonikern verzichten?

Pahud: Nein, denn sie stabilisieren mich. Da bin ich zu Hause. Ich habe ja auch schon einmal versucht, das Orchester zu verlassen. Aber der Ausgleich fehlte mir.

RONDO: Flötenvorgänger wie Rampal oder Nicolet waren eher gesetzte Herren. Sehen Sie nur jünger aus, oder spielen Sie auch jünger?

Pahud: Ich sehe nur so aus (lacht). Durch meine inzwischen 20-jährige Bühnenerfahrung empfinde ich mich nicht mehr als sonderlich jugendlich. Sondern als jemand, der noch relativ viel Elan, Energie und Begeisterung hat. Aber ich sehe auch, wie alles schon weniger wird.

RONDO: In Ihrer Generation können Sie doch beinahe als konkurrenzlos gelten.

Pahud: Ich bin nicht jemand, der denkt: Mehr und immer mehr! In letzter Zeit werde ich zunehmend sensibler in Bezug darauf, dass alles Wachstum eine Grenze hat. Dass es irgendwann einen Crash gibt und alles weniger wird. Dann wird es darauf ankommen, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Diesen Punkt, glaube ich, werde ich demnächst erreichen.

RONDO: Ein Teil des Flötenrepertoires wurde von der Alte-Musik-Bewegung sozusagen gekapert. Zwingt Sie das zu einer größeren Flexibilität?

Pahud: Lustigerweise habe ich gerade die Bachsonaten mit Trevor Pinnock aufgenommen, der dieselben Stücke vor 20 Jahren mit Jean-Pierre Rampal eingespielt hat. Pinnock sagt, dass er heute ganz anders spielt. Ich persönlich hatte mich eigentlich mit Alter Musik immer sehr zurückgehalten, bis ich mit Nikolaus Harnoncourt, Frans Brüggen, Philippe Herreweghe und Sigiswald Kuijken zusammengearbeitet habe. Ich habe dann meinen Weg gesucht. Heute gehört eine Auseinandersetzung mit solchen Stilunterschieden absolut dazu.

RONDO: Würden Sie anders spielen, wenn Pierre- Laurent Aimard Ihr Begleiter wäre?

Pahud: Selbstverständlich. Mein Ziel besteht darin, mich als Flötist zu wandeln. Es ist mein Ansatz, als Person hinter den Stücken zu verschwinden. Ich spiele auch nicht, wie manchmal gesagt wird, mit einem durchgängig französischen Ansatz. Das würde bei Brahms gar keinen Sinn machen. Ich bin der Meinung, ich brauche keinen persönlichen Stil. Ich bin, hoffentlich, auch ohnedies gut. Ich sehe mich eher als Chamäleon.

RONDO: Spielen Sie wirklich auf einem echt goldenen Instrument?

Pahud: Ja. Ich habe meine Goldflöte schon vor 20 Jahren gekauft.

RONDO: Gold muss es schon sein?

Pahud: Nein, ich habe auch andere Flöten. Aber ich spiele – merkwürdigerweise – immer auf der goldenen, einfach weil sie am besten auf mich reagiert. Viele Flötisten wechseln ihre Instrumente regelmäßig. Ich bin treu.

Neu erschienen:

Bach

Sämtliche Flötensonaten

Emmanuel Pahud, Silvia Careddu, Trevor Pinnock

EMI

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2008



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Boulevard

Sonderzug in die Freiheit

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Als die Mauer fiel, jubelten die Menschen in Berlin und anderswo nicht nur – sie feierten das […]
zum Artikel

Pasticcio

Blumen für Clara

2019 ist auch das Jahr des Bockshornklees und der Chrysantheme, des Drachenkopfs und des […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top