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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Ilja Richter

Oper von unten

In »Paukerfilmen« und natürlich als »Disco«-Moderator verkörperte Ilja Richter einen Teil der Jugendkultur der Siebzigerjahre. In der Kinderserie »Der Holzwurm der Oper erzählt« leiht der heute 56-Jährige seine Stimme dem blasierten Nagetier und Opernspezialisten, der seit 260 Jahren im Bühnenboden »Oper von unten« erlebt. Robert Fraunholzer unterhielt sich mit dem Schauspieler.

RONDO: Herr Richter, welche Kinder hören heute noch Opern?

Ilja Richter: Jugendliche jedenfalls nicht. Die finden eher, dass Opern etwas für Opas ist. Die Zielgruppe des Holzwurms, den ich darstelle, sind eher die Eltern und Großeltern, die dann ihre Kinder damit konfrontieren. Leute, die über 40 sind, sagen mir oft: »Das hören wir uns gemeinsam mit unsern Kindern an.« Die Zahlen sprechen dafür, dass es funktioniert.

RONDO: Quer durch alle Schichten?

Richter: Nein, das sogenannte »Gameshow-Proletariat« drückt lieber die TV-Fernbedienung. Ich meine das nicht herablassend. Unsere Serie richtet sich eher an die schwindende Größe des Bildungsbürgertums. An Akademiker.

RONDO: Kennen Sie sich selbst bei Opern aus?

Richter: Mir ist nichts fremd, was mit Theater zu tun hat. Ich bin aber kein permanenter Operngänger oder -kenner. Klassischer Musik und der Romantik allerdings bin ich verfallen. Ich habe Ohren aus dem 19. Jahrhundert.

RONDO: Wie hört sich die heutige Welt damit an?

Richter: Geht so. Mein Holzwurm versucht Don-Quichotte-mäßig gegen die Tatsache anzukämpfen, dass man der Musik zu wenig zuhört – und auch einander kaum mehr. Musik wird heute eher benutzt als genossen. Beethovens »Eroica« höre ich manchmal, wenn ich im Restaurant auf die Toilette gehe.

RONDO: Was bedeutet das Etikett »klassisch« für Sie?

Richter: »Klassik« ist zu einem Gemischtwaren-Wort verkommen. Was man damit bezeichnet, betrifft ohnehin meistens Werke der Romantik. Bei dem Wort »Classics« wird es meiner Meinung nach vollends albern. Mit »Häppchen-Clässic« will man der letzten Putzfrau klarmachen, dass auch für sie etwas dabei ist.

RONDO: Sie selbst werden immer noch ständig auf »Disco« angesprochen, oder?

Richter: Stimmt schon, nicht ich blicke zurück, sondern meine Umgebung tut es für mich. Ich selbst finde die heutigen Zeiten viel toller. Dass sich Leute freuen, wenn sie mich sehen, ist manchmal allerdings ganz charmant. Manchmal auch plump. Je älter ich werde, desto nachsichtiger werde ich damit. Ich bereue nichts.

RONDO: Haben Sie den Erfinder von »Licht aus, Spot an!« noch nicht verflucht?

Richter: Das wäre schwierig, weil ich den Spruch selbst kreiert habe. Es ist alles in Ordnung, so wie es gewesen ist. Langweilig wird’s nur, wenn man mich immer mit der Vergangenheit konfrontiert, obwohl man in Wirklichkeit nur sich selbst und die eigenen Erinnerungen meint.

RONDO: Ihre große Zeit hatten Sie im Paukerfilm der Sechziger- und Siebzigerjahre.

Richter: Ja, ganz schlimm. Damit verglichen waren sogar meine »Disco«-Sketche, die ich selbst geschrieben hatte, noch besser. Dort habe ich einmal Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt« in zweieinhalb Minuten abgehandelt – zwischen T. Rex und Heino. Eine Sendung wie »Disco« hatte es vorher nie gegeben. Das lasse ich mir nicht zerreden. Der Sketch – mit kurzen, hektischen Schnitten – war sogar eine indirekte Vorwegnahme des Videoclips.

RONDO: Von ihrem Filmpartner Theo Lingen, der in den Pennäler-Filmen oft übel malträtiert wurde, haben Sie den wunderbaren Ausspruch kolportiert: »Was immer gleich passieren mag, denk immer daran: Ich bin Burgschauspieler!«

Richter: Theo Lingen hat das einmal zu Eddie Arent gesagt, kurz bevor beide mit einem Feuerlöscher besprüht wurden. Mir passierte dergleichen auch laufend. Es wurde einem Spinat ins Gesicht gespritzt, wobei es sich um Kuhscheiße handeln sollte. Theo Lingen und ich haben es gemacht, weil uns die Gagen gefielen. Es hat mich ernährt. Darum schimpfe ich auch nicht darauf. Es war schlecht und nützlich zugleich. Aber eklig war’s trotzdem.

Neu erschienen:

Der Holzwurm der Oper erzählt: La Bohème und Turandot

Ilja Richter

DG/Universal

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Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2008



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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