home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Startseite · Klartext · Pasticcio

Pasticcio

Meldungen und Meinungen aus der Musikwelt

Au revoir

Mit Gegenwind kannte sich Gérard Mortier aus. Denn nicht überall, wo der Belgier den Opernbetrieb auf Vordermann bringen wollte, herrschte zunächst gespannte Ruhe. Als Mortier etwa 2004 den Pariser Operntanker übernahm, ging gleich die konservative Lokalpresse auf die Barrikaden, weil er keine einzige französische Oper für die erste Spielzeit ausgesucht hatte. „Hier gibt es kein vernünftiges Feuilleton und keine mutigen Denker. Vergleichen Sie einmal Bernard-Henri Lévy und Jürgen Habermas, dann merken Sie den Unterschied“, konterte Mortier die Vorwürfe und war nach fünf Jahren wieder weg. Wer sich Mortier holte, der musste eben darauf gefasst sein, dass mit ihm der Mainstream ausgedient hat. Für avancierte Regie-Konzepte lud er von jeher solche Quergeister wie Peter Sellars, Christoph Marthaler und La Fura dels Baus ein. Und auch die zeitgenössische Oper förderte er ohne Furcht vor Misserfolgen. So ging auf seiner letzten Station, am Madrider Opernhaus Teatro Real, die Uraufführung der Schwulenoper „Brokeback Mountain“ ziemlich in die Hose. Doch ob als Leiter der Brüsseler Oper La Monnaie, der Salzburger Festspiele oder der von ihm mitinitiierten Ruhrtriennale, bei der seit 2002 Musik in die stillgelegten Zechen, Kokereien und Maschinenhallen des Ruhrgebiets einzieht – überall hat Gérard Mortier wie kein Zweiter die gute alte Tante Oper aus dem Tiefschlaf gerissen. Und ein Nachfolger für Mortier, der jetzt im Alter von 70 Jahren an Krebs gestorben ist, ist wohl auf lange Zeit nicht in Sicht.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 2 / 2014



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Igor Levit

Das Leben feiern

Auf seiner Doppel-CD „Life“ präsentiert der Pianist eine wilde Mischung: von Bach über […]
zum Artikel

Boulevard

Begegnung der Bachschen Art II

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Seit vier Jahrzehnten steht es für den gepflegten, virtuosen Blechklang mit Repertoire über alle […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top