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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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(c) Tiroler Landesmuseen

Tiroler Landesmuseen Ferdinandeum

Das Musikmuseum

Kein anderes österreichisches Landesmuseum hat eine hauptamtlich betreute Musiksammlung. Die Tiroler bringen ihre sogar auf CD zum Klingen.

Wer bei Tiroler Musikgeschichte gleich mal an Blaskapellen denkt, liegt vielleicht gar nicht falsch. Zumindest die Innsbrucker Hofkapelle zur Zeit Erzherzog Maximilians, des späteren Kaisers, war reichlich mit Flöten, Pommern, Dulzianen und Schalmeien ausgestattet. Von jenen ruhmreichen Tagen, als Innsbruck mit den Niederlanden, München, Wien und den norditalienischen Städten einen regen Austausch unterhielt, bis in die jüngste Gegenwart reicht der Bestand der Musiksammlung im Landesmuseum Ferdinandeum. Hier kann man am wohl berühmtesten Monteverdi-Porträt vorbeischlendern (von Bernardo Strozzi), einen Hammerflügel Conrad Grafs von 1835 aus der Nähe betrachten oder eine beeindruckende Sammlung von Streichinstrumenten des Absamer Geigenbauers Jakob Stainer. Dem Besucherauge weitgehend verborgen liegt im Notenarchiv ein gewaltiger Schatz von über 20.000 Drucken und Handschriften.
Statt all dies in Vitrinen und Archivschränken nur wie Edelschimmel reifen zu lassen, geht das Ferdinandeum seit einigen Jahren mit seinen Schätzen in die Öffentlichkeit. Gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt die hauseigene Konzertreihe, aus der auch die CD-Aufnahmen des gleichnamigen Labels „musikmuseum“ hervorgehen. „Während andernorts Konzerte aus fertigen Angeboten der Künstleragenturen bestückt werden“, meint Dr. Franz Gratl, der Kustos der Musiksammlung, „fängt bei uns alles mit Noten eines Werks an, das vielversprechend aussieht.“
Dafür geht Gratls Arbeit auch weit über die zurückgezogene Quellenforschung hinaus, denn er arbeitet auf konkrete Aufführungen hin. Bis die Noten aufbereitet, die Musiker und der akustisch richtige Ort gefunden, Budgetklippen umschifft und Kooperationspartner ins Boot geholt worden sind, absolviert er die Aufgaben eines Kulturmanagers. „Spannend finde ich, die Schnittstelle zu bilden zwischen der vorangegangenen Theorie und der musikalischen Praxis. Und wir kommen mit der CD-Reihe auch in Berührung mit dem Musikmarkt.“
Im neuen Programm begegnet einem auch die Blaskapelle wieder, aber ganz anders als erwartet: frühromantischer sinfonischer Bläserklang in der Kirchenmusik des Südtirolers Jakob Schgraffer – und wortwörtlich „Unerhörtes“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. „Blasinstrumente waren im 19. Jahrhundert einfach gut verfügbar, sie konnten für Freiluftmusik bei Umzügen und Prozessionen eingesetzt werden und waren weniger empfindlich“, entkräftet Gratl das Klischee. „Allerdings hatten die Kapellen noch eine andere Zusammensetzung, wie bei Schgraffer sind oft auch tiefe Streicher beteiligt.“
Auch Mendelssohn komponierte seine Trauermusik op. 103 für eine sinfonische Bläserbesetzung, die nun mit 25 Musikern erstmals aufgeführt werden wird. „Wir haben kein unbegrenztes Budget, aber können doch mit Partnern größere Projekte stemmen“. Mit dem Verein „Innsbrucker Abendmusik“ geht es auf Entdeckungsreise im Barock, ein anderes Konzert ist Zeitgenossen wie Werner Pirchner und Haimo Wisser gewidmet – und bietet zugleich frischer Kammermusik junger Tiroler Komponisten Gehör. Einmalig ist die Möglichkeit, die Sonderausstellungen musikalisch zu reflektieren. Statt lustloser Streichquartett-Massenware zum Einstandssekt denkt die Konzertreihe die Inhalte weiter. So ergänzt die Ausstellung „Druckfrisch“ zum Beispiel ein Pasticcio aus Musik berühmter Komponisten – die sämtlich beim Innsbrucker Hofbuchdrucker Wagner verlegt wurden.
Die neuste CD ist der Hofmusik Kaiser Ferdinands gewidmet, der vor genau 450 Jahren die Innsbrucker Hofkirche vollenden ließ. Gemeinsam mit Katharina Bäuml entwarf Franz Gratl ein Programm für ihr Ensemble Capella de la Torre, das genau auf diesen ebenso kaiserlichen wie intimen Raum und seine Geschichte zugeschnitten ist. Natürlich ist auch Heinrich Isaacs heimliche Hymne darauf vertreten: „Innsbruck, ich muss Dich lassen“. Aber so, wie hier Musik verstanden wird, kommt man immer wieder.

Neu erschienen:

Musica Ferdinandea

Kai Wessel, Achim Kleinlein, Matthias Gerchen, Capella De La Torre

MusikMuseum/Bote 1

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http://www.tiroler-landesmuseen.at

Carsten Hinrichs, RONDO Ausgabe 6 / 2013



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