home

N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



Startseite · Klartext · Pasticcio

Pasticcio

Ketten-Komposition

2012 feierte man den 100. Geburtstag des wohl größten Anarchisten der Musikgeschichte. Denn kein Zweiter hatte derart mit den kompositorischen und aufführungspraktischen Gepflogenheiten gebrochen wie der Amerikaner John Cage. Offiziell mag das Cage-Jahr zwar beendet sein. Doch die seit Juli 2012 vom Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig kuratierte, internationale Veranstaltungsreise CAGE100 biegt erst jetzt auf die Zielgerade ein. Und für das finale Sahnehäubchen hat man sich mit dem Miller Theatre New York zusammengetan, um die weltweit größte Gemeinschaftskomposition zu realisieren. Für „Party Pieces“ wurden 125 Komponisten eingeladen, die von Cage schon 1945 erprobte Idee von einem offenen Klangkunstwerk fortzuschreiben. Damals saß Cage mit seinen Kollegen Henry Cowell und Virgil Thomson in geselliger Runde beieinander. Und nachdem der eine ein kleines Stück Musik komponiert hatte, gab er vom Notenblatt nur den letzten Takt weiter, an den nun der nächste anknüpfte. So wanderte Musik ständig im Kreis weiter und wuchs unaufhörlich an. Fast siebzig Jahre später nehmen nun an diesem kreativen Gesellschaftsspiel „Party Pieces“ namhafte Cage-Fans wie Franghiz Ali-Zadeh, Michael Gordon, Dieter Schnebel und Hans Zender teil. Wobei jeder aus dem ihm geschickten letzten Takt ein kleines Stück von maximal fünf Takten bzw. einer Aufführungsdauer von einer Minute geschrieben hat. Dieser 125-teilige Kompositionsreigen wird nun am 17. Oktober in New York vom Ensemble Either/Or unter der Leitung von Richard Carrick uraufgeführt. Einen Tag später kann man es sich dann mit Salzstangen vor dem heimischen PC gemütlich machen. Um 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird das „Party Pieces“-Konzert auf www.cage100.com übertragen.

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Opern-Intendantinnen-Theater

Der einmal mehr verlängerte Lockdown hat auch in der Kölner Oper alle Pläne über den Haufen […]
zum Artikel

Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Das waren noch Zeiten, als Musiker nach erfolgreicher Aufnahmesession am Ausgang sofort cash […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Freiluftmusik: Es muss schon eine besondere Ehre sein, sich als erwählter Liebling eines gekrönten Hauptes zu fühlen. Richard Wagner könnte ein Lied davon singen, aber auch James Paisible. Sagt Ihnen nichts? Jacques oder James Paisible war ein Franzose und im Gefolge Robert Camberts nach England gekommen. Dieser war enttäuscht davon, dass ihn der Italiener Giovanni Battista Lulli (oder später: Lully) aus dem französischen Musikleben verdrängt hatte, wollte daraufhin mit ein paar […] mehr


Abo

Top