home

N° 1265
06. - 12.08.2022

nächste Aktualisierung
am 13.08.2022



Startseite · Klartext · Pasticcio

Pasticcio

Nachrichten und Meinungen aus der Musikwelt

Pult oder Herd?

Wir wussten es schon immer: Dirigentinnen müssen aussehen wie Hexe Wackelzahn, um überhaupt Orchester zu Höchstleistungen anspornen zu können. Doch für diese steile These gebührt nicht etwa dem Autor der von der EMMA-Redaktion verliehene „Pascha“-Preis, sondern dem russischen Dirigenten Vasily Petrenko.
In einem Gespräch mit der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“ stellte der Chefdirigent vom National Youth Orchestra, der Royal Liverpool Philharmonic und nun auch der Oslo Philharmonic klar, dass Frauen nicht vor ein Orchester gehören. Allein schon an der Vereinbarkeit von Job und Familie hat er da so seine Zweifel. Das für ihn stärkste Argument könnte aber glatt aus der Steinzeit stammen. „Wenn ein hübsches Mädchen am Pult steht, könnten das die Musiker auf andere Gedanken bringen“, so Petrenko. Logische Schlussfolgerung wäre demnach, dass sich die bisher erfolgreichen Dirigentinnen wie Marin Alsop, Simone Young, Susanna Mälkki und Anu Tali entweder nach einem anderen Arbeitsplatz umsehen oder sich unters verunstaltende Skalpell legen sollten.
Nun aber hat Petrenko für seine Chauvi-Sprüche glücklicherweise derart Gegenwind bekommen, dass er ein wenig zurückgerudert ist. Mit seiner Aussage wollte er nur die aktuelle Situation in seiner alten Heimat Russland beschreiben. Den vielleicht bedenkenswertesten Kommentar hat hingegen Dirigent André de Ridder formuliert: „Was ist eigentlich mit männlichen Orchestermusikern, die abgelenkt sind, wenn am Pult plötzlich ein attraktiver Mann steht?“

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Bandsalatgefahr

Meldungen und Meinungen der Musikwelt

Dieses Gefühl kennen vielleicht noch jene paar Autofahrer, die ein klassisches […]
zum Artikel

Testgelände

Nikolaus Harnoncourt

Klangbilderstürmer

Ohne ihn würden Teile der Klassikwelt bis heute vor sich hindämmern. Jetzt ist der […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Benedetto Boccuzzi wurde 1990 in New York City geboren und ist ein Pianist, Improvisator und Komponist. Auf seinem neuen Album „Im Wald“ stellt er Werke der Romantiker Robert Schumann und Franz Schubert den Zeitgenossen Jörg Widmann, Wolfgang Rihm und Helmut Lachenmann gegenüber. Dadurch entsteht ein ästhetischer Dialog zwischen den Generationen, der eine erweiterte Realität abbildet. In dem zweiteiligen Programm wird der Hörer dazu eingeladen, einen imaginären Zauberwald zu […] mehr


Abo

Top