home

N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Startseite · Konzert · Hausbesuch

Sopranistin Juliane Banse und Tenor Long Long, die Berliner Symphoniker und Lio Kuokman am Pult (c) HarrisonParrott

Berliner Symphoniker

Chinesische Farben und deutsche Romantik

Mit Mendelssohn im Reich der Mitte: Ein Konzert der Berliner Symphoniker schlägt die Brücke von der Berliner Luft in den Fernen Osten.

Unter dem Titel „Image China“ präsentierten sich die Berliner Symphoniker am 14. Dezember in der Berliner Philharmonie mit Werken von chinesischen Komponisten und deutschen Romantikern. Für das gut besuchte Konzert konnte auch eine Reihe exzellenter Solisten gewonnen werden: Wu Wei, der wohl bekannteste Virtuose auf der chinesischen Mundorgel Sheng, der Geiger Ning Feng, der bei Antje Weithaas in Berlin studierte, und 2006 den Sieg beim Paganini-Wettbewerb in Genua davontrug, die international renommierte Sopranistin Juliane Banse sowie der mehrfach preisgekrönte chinesische Tenor Long Long. Am Dirigentenpult wirkte der chinesische Dirigent Lio Kuokman, der unter anderen mit dem Nationalorchester Capitole de Toulouse und dem Philharmonischen Orchester Hongkong zusammenarbeitete und mit viel Temperament und präziser Schlagtechnik die Berliner Symphoniker zu beachtlichen Leistungen motivierte.
Die chinesischen Werke stammten ausschließlich von zeitgenössischen Komponisten, die eher Musik in gemäßigt moderner bis neoromantischer Ästhetik schreiben, die deutschen Stücke stammen von Felix Mendelssohn Bartholdy („Ouvertüre zum Märchen von der schönen Melusine op. 32) und dem Operettenkomponisten Paul Lincke (Musical „Frau Luna“).
Zu den bekanntesten chinesischen Solokonzerten gehört sicherlich das Violinkonzert von Zhao Jiping (*1945), der auch die Musik zu berühmten chinesischen Kinofilmen wie „Lebewohl, meine Konkubine“ und „Gelbe Erde“ schrieb. Es stellt ein Stück der gemäßigten Moderne dar, mit schönen Kantilenen und hochvirtuosen Passagen, bisweilen erinnert es ein wenig an Filmmusik. Ning Feng meistert den Solopart bravourös und zeigt sich hier als Geiger von internationalem Rang.
Auch Wu Wei begeistert als Solist auf der chinesischen Mundorgel. Er lebt wie Ning Feng in Berlin und hat die Sheng als Instrument auch in Deutschland bekannt gemacht. Was er alles an Klängen aus diesem skurril anmutenden Instrument herausholte, war wirklich beeindruckend, bisweilen klang es wie ein kleines Orchester. Das Instrument, das einen ältesten Vorläufer der Harmonikainstrumente darstellt, sei wirklich schwer zu beherrschen, erklärt Wu Wei in einem Gespräch nach dem Konzert, da man sehr viel Luft benötige und nicht nur beim Aus-, sondern auch beim Einatmen spiele.
Einen besonderen Auftritt hatte auch Sopranistin Juliane Banse. Die gefragte Opernsängerin sang an diesen Abend auch zum ersten Mal chinesisches Repertoire und machte dabei eine gute Figur, sowohl solo als auch im Duett mit dem wunderbar sanft timbrierten lyrischen Tenor Long Long.
Da gab es zu Recht viel Applaus in der gut gefüllten Philharmonie. Als Zugabe spielten die Symphoniker – natürlich – Paul Linckes „Berliner Luft“. Da war das Berliner Publikum selig vor Glück.

Mario-Felix Vogt, 24.12.2022, Online-Artikel



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Meister der Barockorgel

Meldungen und Meinungen der Musikwelt

Wer auf die Internetseite www.orgeltourismus.de geht, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Als fast […]
zum Artikel

Hausbesuch

Festival „rainy days“

Türen zur Welt

Der Name für dieses Festival ist ambivalent: Es findet in der wechselhaften Jahreszeit statt, aber […]
zum Artikel

Pasticcio

Klänge jenseits der Grenze

In der zeitgenössischen Musikszene ist es schon lange kein Tabu mehr, sich selbst der klassischen […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Auf Anregung seines Lehrers Carl Friedrich Zelter schrieb der blutjunge Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 12 bis 14 Jahren zwölf Streichersinfonien im Zeitraum von 1821 bis 1823. Diese Werke bildeten sein Übungs- und Experimentierterrain für den musikalischen Satz, die Instrumentation und die sinfonische Form. Mendelssohn überschrieb die Stücke, die er mal mit drei und mal mit vier Sätzen gestaltete, wechselweise mit „Sinfonia“ oder „Sonata“. In ihnen fand die […] mehr


Abo

Top