home

N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



Startseite · Konzert · Hausbesuch

Ricordi

Unternehmen Oper

Ricordi und Verdi – selten war eine Beziehung zwischen Komponist und Verleger so eng. Davon erzählt eine Ausstellung in Berlin und Gütersloh.

Ob die Besucher der weltberühmten Brea Galerie in Mailand ahnen, dass unter ihren Füßen noch ganz andere Schätze liegen? Oben die Bilder und unten die Noten, Raffael und Mantegna in der Belle Etage, Verdi und Puccini im Zwischengeschoss. Wie in einen Schiffsbau, so steigt man in der (wie auch die Scala ebenfalls) von Maria Theresia gegründeten Biblioteca Nazionale Braidense im Palazzo Brea enge Treppen herab, windet sich durch mit Folianten und alten Akten gefüllte Korridore, um nach schweren Schlössern und einer Klimaschleuse schließlich im Archivio Storico des ehrwürdigen Verlagshauses Ricordi zu landen. Seit dessen Verkauf an Bertelsmann 1994 ist es in deutscher Hand. Das Unternehmen und die Verlagsrechte sind inzwischen an Universal weitergereicht, doch von Gütersloh gesteuert betreuen nach wie vor drei Mitarbeiter diese unschätzbare Sammlung, die Italien nicht verlassen darf. Auch wenn im Geburtsland der Oper der Sinn für klassische Musik seit der Berlusconi-Zeit schwer gelitten hat, die Autografe Rossinis, Bellinis und Donizettis sowie vieler vergessener Kleinmeister – vor allem aber die Originale Verdis und Puccinis samt dem vollständigen Schriftverkehr der beiden Titos mit dem Verkaufsgenie Giulio Ricordi − sind Inkunabeln der Musikgeschichte. Die hier sorgsam gepflegt, restauriert, der Forschung zugänglich gemacht und für Ausstellungen verliehen werden.
In der 1808 gegründeten Musikinstitution wurde offenbar alles aufgehoben. Man druckte hier Werbeplakate, gab Zeitschriften heraus, kümmerte sich wie heute bei Megamusicals um die Ausstattung und Inszenierung der Uraufführungen und späterer Produktionen. 600.000 Seiten umfasst allein die Verlagskorrespondenz, man hütet 6000 Fotos, 10.000 Kostüm- und Bühnenbild-Entwürfe auf über 1000 Regalmetern.
Diesen Schatz möchte Bertelsmann jetzt bekannter machen und veranstaltet deshalb in der Berliner Unternehmensvertretung eine kostbare Ausstellung, die anschließend nach Gütersloh weitergereicht wird. Anlässlich des 200. Geburtstages von Giuseppe Verdi wird am Beispiel von dessen letzten, mit seinem Wunschlibrettisten Arrigo Boito konzipierten Werken „Otello“ und „Falstaff“ deren Musiktheater- Genese gezeigt, von der ersten, brieflich festgehaltenen Idee bis zur Uraufführungskritik, denn alles das ist im Ricordi- Archiv vorhanden. Nicht nur für Opernliebhaber ein Muss.

Unternehmen Oper

30.8.–15.9.: Bertelsmann Repräsentanz in Berlin, Unter den Linden 1,
7.–21.10 Gütersloh, Theater, Barkeystraße 15

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 4 / 2013



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Café Imperial

Unser Stammgast im Wiener Musiker-Wohnzimmer

Ganz Rossini ist fest in der Hand von Belcanto-Spezialisten! Ganz Rossini? Nein, ein kleines […]
zum Artikel

Pasticcio

Ende eines ewigen Hin und Her

Im April musste die Presseabteilung des Moers Festivals erneut mit dem Gerücht aufräumen, dass […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


Abo

Top