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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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(c) Dominik Stixenberger

Günther Groissböck

Fin de siècle

Hans Rott, ein imaginärer Mahler-Soldatenlied-Zyklus, Basstiefes von Strauss – das versammelt der Bassist auf seinem jüngsten Album.

Wir erwischen Günther Groissböck in New York. Da ist er einige Wochen lang, singt, nach einem ersten Ausprobieren in Wiesbaden, den König Philipp in Giuseppe Verdis „Don Carlos“. Und radelt viel durch den Central Park im Indian-Summer-Licht. Außerdem hat der sportive, aber auch karriereaktive niederösterreichische Bassbariton mit Wohnsitz im Tessin, soeben ein neues Album veröffentlicht. Mit ungewöhnlichem Repertoire von Richard Strauss, Hans Rott und Gustav Mahler. Es ist das zweite Album für dieses Label, nach einem ersten Album mit Wiener Schrammlmusik.
„Das ist sehr gut angekommen“, erläutert Groissböck, „ihm ging ein Live-Projekt mit André Heller voraus, das wir aufnehmen wollten. Und er hat den Kontakt hergestellt zu dem großen Musikliebhaber und Idealisten Richard Winter, dem das Label gehört. Der macht gern Dinge, die ihm gefallen. So wie eben diese Wiener Lieder. Und so haben wir schnell über alle möglichen weiteren Projekte gesprochen. Und jetzt liegt die zweite Platte vor.“ Eigentlich sollte es das „Reisetagebuch aus den österreichischen Alpen“ von Ernst Krenek werden, aber da war dann die Vorbereitungszeit zu kurz: „Und da haben wir jetzt dieses Programm vorgezogen, das mir freilich fast noch mehr am Herzen liegt.“
Bis auf einige Strauss-Lieder hat Günther Groissböck alles schon live gesungen. Denn 2019 war das Jubiläumskonzert für Wieland Wagner im Bayreuther Festspielhaus, da sind Waltraud Meier und er zusammen aufgetreten. „Und hinterher, beim Beisammensitzen kam die Idee für ein gemeinsames Rezital auf. Sie wollte im Herbst ihrer Karriere keinen ganzen Abend mehr machen, es ergab sich, dass uns sogar Antonio Pappano beim Brucknerfest in Linz begleiten konnte. Und da haben wir im zweiten Teil jeder Auszüge aus Mahlers „Des Knaben Wunderhorn“-Lieder gemacht. Für den ersten Teil hat mir der Hausdramaturg neben Bruckner Hans Rott vorgeschlagen. Ich kannte zwar dessen Sinfonie, aber wusste nicht, dass er Lieder geschrieben hat. Die sind faszinierend in ihrer individuellen Klangsprache.“
Anfang 2022 hat er mit Malcom Martineau in der Londoner Wigmore Hall den Rott und diese Mahler-Abfolge als einen imaginären Zyklus von Soldatenliedern als Lebensbogen gesungen: „Das hat uns förmlich an die Wand geknallt angesichts der darauffolgenden Reaktionen. Das Publikum war hin- und mitgerissen.“
Von Strauss singt Groissböck nur zwei dezidierte Basslieder. „Die habe ich erstmals in einer Geburtstagssendung für Kurt Moll im Radio gehört. Und auch die anderen wollte ich ein wenig aufbrechen, weg von Jessye Norman in großer Robe mit vollem Orchester – als intimere Stück im emotionalen Zwielicht.“
Mit Malcom Martineau arbeitet der Sänger übrigens seit 2018. „Er hatte mich direkt angesprochen. Ich bin von ihm schwerst beeindruckt. Er war ein Idol für mich, weil er bei der Grammophon die Bryn-Terfel-Recitals begleitet hat. Dann hatte ich ihn eher bei den Diven eingeordnet, aber wir kommen sehr gut klar, er ist ein idealistischer, draufgängerischer, total bescheidener Musiker. Und was mir guttut: Er bremst mich tempomäßig aus und holt mich runter.“ Und der Krenek, der wird nächsten Sommer aufgenommen. Versprochen!

Neu erschienen:

Strauss, Mahler, Rott

„Kein Wiedersehen!“

Günther Groissböck, Malcolm Martineau

Gramola/Naxos

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Matthias Siehler, 10.12.2022, RONDO Ausgabe 6 / 2022



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