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N° 1272
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(c) Andi Dittrich/A Tempo Productions

Bösendorfer Flügel

Fülle, Wärme und Kantabilität

Der Schweizer Bernhard Ruchti ist ein absoluter Fan der Klaviermanufaktur. Was ihn so an den Wiener Flügeln fasziniert, erfuhr RONDO von ihm im Interview.

Seit beinahe 200 Jahren baut die Wiener Klaviermanufaktur Bösendorfer Klaviere und Flügel auf überragendem Niveau. Sie wurde am 25. Juli 1828 von Ignaz Bösendorfer gegründet und ist somit der am längsten bestehende Klavierhersteller der Welt. Binnen kürzester Zeit erarbeitete sich der Wiener Klavierbauer durch seine gut verarbeiteten und klangschönen Instrumente einen exzellenten Ruf, 1839 wurde ihm sogar als erster Klavierbauer überhaupt vom Kaiser der Titel eines „k. k. Hof-Claviermachers“ verliehen.
Was Bösendorfer-Instrumente grundsätzlich von den meisten anderen Herstellern unterscheidet, ist das Miteinbeziehen des Gehäuses in die Klangerzeugung. Das Timbre, das dadurch entsteht, ist warm, voll und gesanglich, mit grundtonstarken Bässen und einem üppigen Tenorregister. Es bildet ästhetisch einen Gegenentwurf zu dem brillanten schlanken Ton, den die Instrumente von Steinway & Sons oder Fazioli mitbringen. Aufgrund ihres samtigen Klangs werden Bösendorfer-Instrumente tendenziell eher für Klavierwerke der Romantik herangezogen als für barocke oder moderne Stücke, außerdem eignen sie sich besonders für Kammermusik und Liedbegleitung.
Auch wenn die Bösendorfer-Flügel von vielen Pianisten als Alternative zu den Instrumenten des Marktführers Steinway & Sons angesehen wurden, verkaufte die Wiener Firma zur Jahrtausendwende hin immer weniger Flügel. Der Strukturwandel der Klavierbranche hatte daran seinen Anteil, hinzu kamen Managementfehler. Über ein Jahrzehnt lang schrieb Bösendorfer durchgängig rote Zahlen. Ende 2007 wurde das Unternehmen von Yamaha übernommen. Der japanische Konzern wollte die Klangästhetik von Bösendorfer unbedingt erhalten, verordnete jedoch ein umfassendes Umbau- und Revitalisierungsprogramm. Seit man vor einigen Jahren die Vienna Concert-Serie VC einführte, geht es mit den Verkaufszahlen wieder bergauf.
Ein Künstler, der diese Serie besonders schätzt, ist der Schweizer Pianist und Organist Bernhard Ruchti. Insbesondere das neue Konzertflügel-Modell 280 VC hat es ihm angetan, dabei steht die Zahl der Modellbezeichnung für die Länge von 2,8 Meter: „Dieser Flügel vermittelt eine Art von Ästhetik, die weiterhin anknüpft an die Fülle, Wärme und Kantabilität, die man bisher von den Bösendorfer-Instrumenten kannte“, erklärt er. „Der 280 VC hat diese Ästhetik nochmals auf ein ganz anderes Niveau gehoben.“ Bemerkenswert sei vor allem „die klanglich kontinuierliche Linie – vom Bass bis in den höchsten Sopran, außerdem klingen die Töne außergewöhnlich lange“. Auch das dynamische Spektrum sei großartig: „Man kann ohne linkes Pedal ein unglaubliches Pianissimo auf dem Instrument spielen, hat auf der anderen Seite aber auch die Möglichkeit ein enormes Forte zu entfalten, ohne dass es hart klingt“, schwärmt Ruchti. Und zugleich verfügt das 2,8 Meter lange Instrument „über eine Brillanz, die sich immer noch in der kantablen Bösendorfer-Ästhetik bewegt.“ Da ist es auch nur konsequent, dass sich Bernhard Ruchti gleich einen 280 VC in sein Piano-Studio gestellt hat.

www.boesendorfer.com

Mario-Felix Vogt, 17.09.2022, RONDO Ausgabe 4 / 2022



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