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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Schlägt ein neues Kapitel auf, künstlerisch – wie finanziell? Dirigent Teodor Currentzis © Olya Runyova/SF

Pasticcio

Unter neuer Orchesterflagge

Bis zum 24. Februar war er der Liebling der Feuilletons und des Klassikpublikums. Denn an keinem Dirigenten konnte man sich positiv wie negativ so herrlich abarbeiten wie an Teodor Currentzis. Schließlich besitzt das, was der griechisch-russische Dirigent vor allem mit seinem Orchester musicAeterna auch mit den heiligen Repertoire-Hits veranstaltet, reichlich Diskussions- und Zündstoff. Von der Stange kommt da nämlich rein gar nichts. Doch seit jenem 24. Februar schlägt Currentzis auch außerhalb seines Metiers der Wind heftig entgegen. An jenem Tag überfiel Russland die Ukraine. Doch während die Öffentlichkeit nun auch von Currentzis fordert, sich ohne Wenn und Aber vom russischen Präsidenten Putin zu distanzieren, schweigt er nicht nur. Ein weitergehender Vorwurf bemängelt, dass er und sein Orchester sich von einer kremlnahen Bank sponsern lassen würde.
Bei einigen Konzertveranstaltern und Festivalmanagern gilt Currentzis somit als russischer Staatskünstler und daher als Persona non grata. Und auch im Vorfeld der diesjährigen Salzburger Festspiele wurde auf Intendant Markus Hinterhäuser enormer Druck aufgebaut, mit der Forderung, den vielfach präsenten Currentzis und sein Orchester wieder auszuladen. Hinterhäuser aber blieb standhaft. Und trotz auch so mancher Proteste wurde kürzlich die von Currentzis dirigierte Eröffnungspremiere der Salzburger Festspiele zum vollen Erfolg.
Doch abseits von Bartóks „Blaubarts Burg“ und weiteren Konzerten – wie etwa mit Schostakowitschs 14. Sinfonie – sorgt aber nun eine weitere Currentzis-Nachricht für Gesprächsstoff. Denn wie die Berliner PR-Agentur for artists mitteilte, hat Currentzis ein neues Orchester gegründet, das auf den Namen „Utopia“ hört. Dahinter verbirgt sich laut Selbstbeschreibung ein internationaler Klangkörper, der sich aus Solisten und Konzertmeistern aus verschiedenen Orchestern zusammensetzt und der sich für spezielle Projekte und Programme zusammenfindet. Mit diesem Orchester will Currentzis organisatorisch wie musikalisch Neues ausprobieren: „Das ist ein Versuch, sich von angesehenen Institutionen zu lösen, die große Verdienste haben, gleichzeitig aber auch zuweilen in einem international standardisierten Klang gefangen sind. Wir betreten ein eher experimentell geprägtes Feld, auf dem wir alle gemeinsam nach dem perfekten Klang suchen.“ Die ersten Konzerttermine stehen auch schon fest. Im Oktober gibt man Konzerte in Luxemburg, Hamburg und Wien. Und auf dem Programm stehen u.a. Strawinskis „Der Feuervogel“ sowie Ravels „La Valse“.

Guido Fischer



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