home

N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



Startseite · Konzert · Zugabe

Ursula von der Leyen (c) EU / Etienne Ansotte

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Dirigent Marc Albrecht (57) hat nur noch wenig Kontakt zu seiner Cousine Ursula von der Leyen. „Den Familienwandertag, der bei uns jedes Jahr Anfang September stattfindet, nimmt sie viel regelmäßiger wahr als ich”, so Albrecht in Berlin im Vorfeld der Premiere von Franz Schrekers Oper „Der Schatzgräber“. „Beim Vierhändigspielen am Flügel“, so Albrecht über von der Leyen, „hat sie früher immer eher links gespielt“.

Cheryl Studer, legendäre Sängerin der 90er Jahre, hat von Sopran auf Mezzosopran umgesattelt. „Endlich habe ich mich getraut”, so Studer in ihrem Haus in Griechenland. Neuerdings ist sie pensioniert. 1998, nach einem Eklat an der Bayerischen Staatsoper, war eine Professur in Würzburg ihre Rettung gewesen. Ihre beiden Töchter – Elsa und Senta – sind inzwischen erwachsen. Sie tritt vermehrt wieder in kleinen Rollen auf, so im Juni als Aufseherin in „Elektra” in Berlin, zuvor im Stuttgarter „Lukullus” von Paul Dessau. In Berlin plant sie auch einen Meisterkurs.

Die britische Pianistin Isata Kanneh-Mason findet, dass klassische Musik „zu ernst genommen” wird. Das sagte sie in Kalifornien. „Wobei wir unterscheiden sollten: Die Musiker auf der Bühne müssen die Musik, die sie spielen, sehr genau nehmen. Das Publikum sollte locker bleiben.” Ein ideales Klassik-Publikum sähe für sie (die Schwester des Cellisten Sheku Kanneh-Mason) „so divers wie möglich” aus. „Ohne Exklusivität und ohne das steife Ritual, das man manchmal findet.”

Tenor René Kollo, in diesem Jahr 85 Jahre alt, findet seine Wagner-Aufnahmen gar nicht schlecht. „Jetzt in Palma habe ich erstmals in meine alten Platten hineingehört“, so Kollo. „Und ich muss sagen: ‚Parsifal‘ unter Solti, ‚Tristan‘ unter Carlos Kleiber, mir gefällt das ganz gut.“ Dagegen stellte er richtig, dass es sich bei einem vor einiger Zeit die Runde machenden Zitat um eine Ente gehandelt habe. „Ich wohne mit meiner Ex-Frau und ihrem neuen Mann unter einem Dach“, so titelte damals ein Boulevard-Blatt und leitete die Frage daraus ab: „Wie funktioniert eine Ehe zu dritt?“ – Kollo heute: „Unsinn! Die wohnen doch ganz woanders.“ Er lebe – wie seine Ex-Frau – auf Mallorca. „Und auch nicht allein, sondern mit meinem Dackel Pico.“

Die Pianisten Lucas & Arthur Jussen, die in Amsterdam vis-à-vis voneinander wohnen, gehen auch dann auf die Bühne, wenn sie sich vorher gestritten haben. „Wir spielen dann halt noch besser”, so Arthur, der Jüngere. „Wenn Lucas dominant wird, weiß ich, wie ich das übernehme.” Über ihre Frisur wiederum entscheide „der Friseur”. Beziehungsweise: „Die Friseure! Wir haben zwei unterschiedliche“, so Lucas Jussen. Friseure seien teuer. „Arthur geht noch zu dem – etwas billigeren – Friseur unserer Eltern.”

Die georgische Mezzo-Sopranistin Anita Rachvelishvili hat aus Anlass des Ukraine-Krieges umgehend Position gegen das Putin-Regime bezogen. Sie hält die Weigerung, in einer solchen Situation politisch Farbe zu bekennen, für „naiv”. So sagte sie in München. „Schon Verdi war ein politischer Komponist. Es hat keinen Sinn, sich plötzlich als unpolitisch ausgeben zu wollen, nur weil die Situation unbequemer, sogar gefährlich ist.”
Performance-Legende Marina Abramović, die mit ihrem Abend „7 Deaths of Maria Callas” jüngst den Bereich der Oper enterte, fühlt sich von der Stimme der Callas angesprochen. Na sowas! „Ihre Stimme mag nicht die schönste gewesen sein. Doch sie schmerzt. Das ist mehr!” Was sie ebenso fasziniert habe, sei die körperliche Performance der Callas. „Die Art und Weise, wie sie nach Aufführungen ihr Publikum grüßte, und sich dabei in ein zartes Vögelchen zu verwandeln schien … Fantastisch.” Mit den Diven-Aspekten könne sie sich weniger identifizieren. „Ich liebe mein bürgerliches Leben” so Abramović. „Ich trinke keinen Alkohol, liebe Joghurt und Schokolade.” Alt und krank zu sein, scheine ihr vermeidenswert. „Ich bevorzuge: alt und gesund.”

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2022



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Chen Reiss

Cherio!

Die israelische Sopranistin liebt ihren Mann, Zubin Mehta und Papst Franziskus. Auch ihre Zeit in […]
zum Artikel

Steckenpferd

Steckenpferd – Martin Grubinger

Eins, zwei – Pass!

Weiter trainiert hat Martin Grubinger natürlich auch in den Zeiten der Auftrittsverbote während […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


Abo

Top