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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



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Joseph Haydn auf Englandreise, 1791 (c) PD

Pasticcio

Haydn und kein Ende!

Jeder hat seinen Ehrentitel, den er verdient. Claudio Monteverdi war schon Zeit seines Lebens „Il Divino“, der Göttliche. Und Ludwig van Beethoven wurde mal als „Titan“, mal als „Riese“ auf den Sockel gestellt. Aber wie sieht es bei einem Komponisten aus, der lange als Leichtgewicht unter den Großen angesehen wurde? Natürlich gibt es auch über Joseph Haydn so manch respektvolle Auszeichnungen aus prominenten Mündern. Für Friedrich Nietzsche war Haydn „genial“ und ein „schlechthin guter Mensch“. Nikolai Rimski-Korsakow machte den österreichischen Kollegen gar zum „Vater der modernen Orchestration“. Mit dem wohl berühmtesten Beinamen jedoch ist Haydn hingegen bis heute geschlagen, kursiert doch immer noch gerne das zopfig-biedere Bild von „Papa Haydn“. Und wenn sich selbst ein Restaurant im amerikanischen Portland nach ihm benannt hat, scheint Haydn nun wirklich nicht schwer im Magen zu liegen.
Haydns Musik als leichtverdauliche Kost – gegen dieses Klischee haben vor allem die Originalklang-Spezialisten schlagende Argumente ins Feld geführt. Wie etwa Nikolaus Harnoncourt, Simon Rattle und aktuell Giovanni Antonini, der u.a. mit Il Giardino Armonico an der (fulminanten) Gesamteinspielung aller Haydn-Sinfonien sitzt. Wer einmal auch den Reichtum der Haydnschen Opernmusik in voller Gänze erleben möchte, der muss nur einmal ins rheinische Brühl fahren. Dort, wo unweit von Köln der Alte Musik-Dirigent und Haydn-Fan Andreas Spering mit den sommerlichen Haydn-Festspielen für staunenswerte Aufführungen sorgt. In diesem Jahr steht etwa mit „La fedeltà premiata“ (Die belohnte Treue) ein zündendes Liebesverwirrspiel auf dem Programm. Darüber hinaus gibt es 2022 neben den obligatorischen Instrumentaldarbietungen aber auch noch ein besonderes Konzert. Denn bevor dann das Ensemble l’arte del mondo loslegt, berichtet Armin Raab vom Kölner Joseph Haydn-Institut in einem Vortrag vom jüngsten Coup seines weltweit einzigartigen Forschungszentrums. Tatsächlich hat man zusammen mit dem renommierten Henle-Verlag die erste wissenschaftliche Gesamtausgabe der Werke Haydns zum (vorerst) glücklichen Abschluss gebracht.
1955 wurde dafür zusammen mit dem Verleger Günter Henle extra das Kölner Joseph Haydn-Institut gegründet. Und 1958 erschien sodann der erste Band. Fast 70 Jahre später kommt nun mit den „Bearbeitungen von Arien und Ensembles anderer Komponisten“ der Band 113 heraus. „Wir sind dankbar, dieses editorische Großprojekt gemeinsam mit unserem Partner, dem Joseph Haydn-Institut vollendet zu haben“, so Wolf-Dieter Seiffert vom G. Henle Verlag. „Sein Umfang und seine Dauer scheinen nach heutigen Maßstäben wie aus der Zeit gefallen zu sein. Aber es zeigt, was Akribie, Fachkenntnis, Energie und die Liebe zur Sache über Generationen für kommende Generationen hervorbringen können.“ Doch der Stoff dürfte den Musikwissenschaftlern auch weiterhin nicht ausgehen. Schließlich tauchen hier und da immer wieder Noten auf, die auf ihre Echtheit akribisch abklopft werden müssen. Und manchmal ist die Ernüchterung groß. Wie im Jahr 1993, als plötzlich sechs als verschollen geglaubte Klaviersonaten Haydns auftauchten – die sich aber als plumpe Fälschungen entpuppten.

Guido Fischer



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