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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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In Carl Heinrich Grauns „Silla“ zu erleben: Countertenor Valer Sabadus (c) Henning Ross

Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Man sieht sich!

Bei der 46. Ausgabe des Innsbrucker Barockmusik-Festivals kommen nicht nur die Fans herrlicher Stimmen und seltener Opern wieder voll auf ihre Kosten.

Obwohl Domenico Scarlattis über 500 Sonaten eindeutig belegen, dass der Italiener auf dem Cembalo ein wahrer Teufelskerl gewesen sein muss, zog er schon mal in so manchem Tasten-Duell den Kürzeren. Wie 1709 in Rom, als er gegen Georg Friedrich Händel antrat und verlor. 1725 mag Signore Scarlatti dann in Paris noch mal sein Glück probiert haben, als er diesmal gegen Monsieur Jean-Philippe Rameau antrat. Dokumentiert ist dieses musikalische Mann-gegen-Mann zwar nicht. Aber allein die Vorstellung liefert jetzt die Idee zu einem spannenden wie sinnlichen Kammermusikabend, zu dem das französische Ensemble Le Caravansérail gemeinsam mit der Sopranistin Rachel Redmond ins schmucke Schloss Ambras einladen.
Solch ein imaginäres Gigantentreffen passt natürlich ideal zum Motto, das sich die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik auf die Fahnen geschrieben haben. In diesem Jahr lautet es „Begegnungen“, und anhand dieses Leitmotivs hat Festival-Chef Alessandro De Marchi ein Programm konzipiert, dass Innsbrucks Ruf als einer der weltweit aufregendsten Treffpunkte für die Fans der Barockmusik untermauert. Über 50 Veranstaltungen, von Konzerten über Opernaufführungen bis hin zu Workshops, sind geplant. Und wieder einmal begegnet man dabei nicht nur Top-Interpreten aus der Alten Musik-Szene. Erneut darf man seine Ohren besonders spitzen, wenn auch Dirigent De Marchi die Opernschatztruhe öffnet und drei rare Perlen der Barockmusik präsentiert. Diesmal sind es „Silla“ von Carl Heinrich Graun, Giovanni Bononcinis „Astarto“ sowie im Rahmen der Reihe „Barockoper:Jung“ „L’amazzone corsara“ von Carlo Pallavicino, die in Neuinszenierungen zu erleben sind. Und wie es sich für so ein Traditionsfestival gehört, geben sich bei den Aufführungen wahre Meister des Barockgesangs die Stimmgabel in die Hand. So ist allein Grauns „Silla“ gespickt mit Spitzentönen unter anderem der Countertenöre Bejun Mehta und Valer Sabadus sowie der Sopranistinnen Eleonora Bellocci und Roberta Invernizzi. Einem ähnlichen Starsängerauflauf begegnet man bei Bononcinis „Astarto“, mit unter anderem Altistin Francesca Ascioti, Sopranistin Ana Maria Labin sowie Bassist Luigi De Donato.
Aber auch abseits der großen Opernbühnen, in all den Kirchen und Schlössern, mit denen Innsbruck und Umgebung gesegnet sind, kommen die Liebhaber der Alten Musik auf ihre Kosten. Die Sopranistin Dorothee Mields taucht mit dem Ensemble Between the Strings in die Welt Monteverdis und Rossis ein. Das britische Gambenconsort Fretwork feiert Matthew Lockes 400. Geburtstag. Unter der Leitung von Paul Agnew widmet sich das französische Nobelensemble Les Arts Florissants in der beeindruckenden Hofkirche Heinrich Schütz’ erstem Madrigalbuch. Und Alessandro De Marchi bringt eine verschollen geglaubte, italienischsprachige Fassung von Händels „Messias“ zur modernen Uraufführung. Wer darüber hinaus dann auch mal einem Meister des Geigenbaus bei seiner Arbeit über die Schulter schauen möchte, der hat dazu ebenfalls die Möglichkeit. Oder man bricht mit der Konzertreihe „Musica montana“ in die umliegenden Berge auf – von wo aus man zu Barockklängen einfach nur den malerischen Blick aufs Inntal genießen kann.

46. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

„Begegnungen“
12. Juli bis 28. August
www.altemusik.at
Tickets: +43 (0)512 520 74 504

Guido Fischer, 26.03.2022, RONDO Ausgabe 2 / 2022



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