home

N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Schätze aus dem Plattenschrank

Unter Starkstrom

Von Dimitri Mitropoulos kursieren zahlreiche Anekdoten. Seinen Ruf als Zuchtmeister soll er unter anderem mit einer geladenen Pistole untermauert haben, die er bei den Orchesterproben dabeihatte. Verbrieft hingegen ist, dass der Kettenraucher zwischen zwei Werken rasch noch ein, zwei Züge nahm. Selbst Lenny Bernstein dürfte nicht so viel weggepafft haben wie der gebürtige Grieche. Doch die Freude am qualmenden Genuss war nicht das Einzige, was diese beiden Dirigenten miteinander verband. Bernstein war es schließlich, der der Nachfolger von Mitropoulos als Chef der New Yorker Philharmoniker werden sollte. Fast zehn Jahre lang hatte Mitropoulos dem Orchester vorgestanden – nach einer noch umfassenderen Zeitspanne, in der er das Minneapolis Symphony Orchestra geleitet hatte. Aus dem Zeitraum 1940 bis 1958 stammen nun all jene Einspielungen, die der äußerlich so mönchisch daherkommende Dirigent vorrangig mit diesen beiden Orchestern aufgenommen hat. Die Liste der Aufnahmen, mit denen auch Schallplattengeschichte geschrieben wurde, ist lang. Von 1940 stammt die Einspielung von Mahlers 1. Sinfonie, mit der Mitropoulos quasi den Grundstein für Bernsteins Mahler-Renaissance legte. 1951 brachte er die erste Gesamtaufnahme von Bergs „Wozzeck“ heraus (Mitropoulos war ja einst Assistent von Erich Kleiber, der in Berlin diese Oper uraufgeführt hatte). Und die Live-Aufnahme von Verdis „Maskenball“ aus der MET ist ein auch stimmschauspielerisches Spektakel. Aber im Grunde erweist sich jede Einspielung als Einladung bzw. Aufforderung, unbedingt diesen bisweilen wohl spleenigen Ausnahmemusiker wiederzuentdecken.

Dimitri Mitropoulos: The Complete RCA and Columbia Album Collection

69 CDs – Sony

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Guido Fischer, 16.04.2022, RONDO Ausgabe 2 / 2022



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Die Nr. 26 ist: Yahp van ZVAY-den!

Wenn das mal keine faustdicke Überraschung ist. Wenn sich schließlich ein Orchester wie die New […]
zum Artikel

Magazin

Magazin

Schätze aus dem Plattenschrank

Vom amerikanischen Komponisten David Lang stammt ein Satz, den könnte sein Kollege John Adams […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


Abo

Top