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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



Startseite · Konzert · Café Imperial

Leoš Janáčeks „Jenůfa“ am Theater an der Wien (Aksenova, Ensemble), Foto: (c) Werner Kmetitsch

Café Imperial

Unser Stammgast im Wiener Musiker-Wohnzimmer

Bevor an der Volksoper die gemütlichen Operetten-Tage zu Ende gehen, zeigt die künftige Intendantin Lotte de Beer, dass auch sie mit Wasser kocht. Ein Haus weiter, am Theater an der Wien, hat sie Leoš Janáčeks „Jenůfa“ am Wickel – eines der stärksten Stücke überhaupt. Und eine etwas walkürige Nina Stemme als Küsterin. Das Inszenierungskonzept – die Kindsmord-Geschichte aus dem Rückblick der Mörderin – ist von gestern. Pavel Černoch (Laca Klemeň), Pavol Breslik (Števa Buryja) und Svetlana Aksenova in der Titelrolle sind super besetzt, auch Marc Albrecht dirigiert mustergültig das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Bleibt die Frage, wo bei der künftigen Intendanz an der Volksoper der geringste Witz herkommen soll? Es ist der rare Fall, wo eine gelungene Premiere Bedenken weckt.

Im Café Imperial, wo die Vergangenheit länger dauert, denken wir heute über den Neuanfang nach. Der in die Jahre gekommene Tenor Julius Patzak pflegte zu sagen: „Jetzt weiß ich, wie’s geht, und jetzt hab i ka Stimme mehr.“ Man muss loslegen, bevor es zu spät ist. Der Komödienautor Curth Flatow über Johannes Heesters: „Für Hundertjährige fällt mir nichts ein.“ – Während mit „Jenůfa“ zugleich die letzte Premiere des Theaters an der Wien vor der zwei Jahre dauernden Renovierung verrauscht ist, gönnt sich der scheidende Volksopern-Intendant Robert Meyer ein letztes Musical. In „La cage aux folles“ spielt er nicht die notorische Zaza, sondern den entsetzten Schwiegervater (wieder ab 25.3.). Es folgt noch Brittens schöner „Tod in Venedig“ (mit Rainer Trost, ab 14.5.). Dann ist Schluss mit lustig. Am Wiener Ring gibt es eine Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ (ab 14.4.), vom superumtriebigen Calixto Bieito für die Wiener Staatsoper reserviert. Die Besetzung – mit Martina Serafin und An­dreas Schager – ist so lala, um es höflich auszudrücken. Wer auf Nummer sicher gehen will, höre Iveta Apkalna erstmals an der Orgel des Musikvereins (27.3.), Isata Kanneh-Mason (30.3.) oder Mirga Gražinytė-Tyla mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra (1./3./4.4.). Mikhail Pletnev plant einen Klavier-Soloabend (21.4.). Die Wiener Philharmoniker haben Tugan Sokhiev eingeladen, für das Harfenkonzert des Ukrainers Reinhold Glière (22.-26.4.). Und gleich danach Christian Thielemann für Bruckners Sechste (30.4.-2.5.), Herbert Blomstedt für Mendelssohns „Lobgesang“ (7.-9.5.) und Riccardo Muti (20.-24.5.). Andris Nelsons gastiert mit dem Boston Symphony Orchestra (Strauss, 15./16.5.). Cecilia Bartoli singt mit András Schiff (8.5.). Das alles im Wiener Musikverein; der nach Jahren einer allzu ruhigen Kugel mächtig aufholt.

Im Konzerthaus spricht Thomas Quasthoff (auch fast ein Neuanfang) Schönbergs „Überlebenden aus Warschau“ (28.3.). Teodor Currentzis dirigiert ein neues Viola-Konzert von Marko Nikodijević (mit Antoine Tamestit) und Brahms’ Erste (4.4.), außerdem Schnittke (10.4.) und Beethovens Neunte (11.4.). Philippe Herreweghe ist ideal für die Matthäus-Passion (7.4.). Zu seinem 75. Geburtstag gönnt sich Gidon Kremer das Violinkonzert von Mieczysław Weinberg (23./24.4.). Yuja Wang spielt Kapustin, Ligeti und Beethoven (26.4.), Martha Argerich kommt mit Renaud Capuçon (30.4.). Für die Streichoktette von Mendelssohn und Enescu tun sich Belcea Quartet und Quatuor Ébène zusammen (6.5.). Anita Rachvelishvili singt Lieder von Rachmaninow, Tschaikowski u. a. (17.5.). Der junge Dirigier-Star Klaus Mäkelä, den man in Amsterdam gern ganz haben möchte, dirigiert alle Sibelius-Sinfonien mit den Osloer Philharmonikern im Paket (21.-23.5.). Noch ein Neuanfang? Ober, zahlen!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2022



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