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N° 1254
21. - 27.05.2022

nächste Aktualisierung
am 28.05.2022



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(c) Simon Fowler / Parlophone Records

Pene Pati

Vom Rugby zur Oper

Alleinstellungsmerkmal, nicht (nur) aufgrund exotischer Herkunft: Ein Sänger aus Samoa betritt den Ring der Tenöre.

Das globalisierte Tenor-Karussell der verbliebenen drei großen Plattenfirmen, es dreht sich mal wieder. Zwar bleibt im Stall Sony mit dem deutschen Jonas Kaufmann alles beim Alten, dafür fährt bei der Deutschen Grammophon seit geraumer Zeit der polnische Weltstar Piotr Beczała nicht mehr mit (der singt nun für die Boutique-Firma Pentatone). Mit gelbem Trikot schmettern jetzt der Franzose Benjamin Bernheim und bald der chilenisch-amerikanische Jonathan Tetelman. Das Inhouse-Label Decca hat den Malteken Joseph Calleja verabschiedet und konzentriert sich stattdessen künftig auf den Italo-Briten Freddie De Tommaso. Und während man bei Warner/Erato gerade den stratosphärenwürdigen Amerikaner Michael Spyres auch in die entsprechende Medienhöhe hebt, die er längst verdient, lässt sich dort nun auch als Neuzugang Pene Pati vernehmen.
Der exotisch klingende Name sagt es schon, der 34-Jährige kommt von sehr weit her, aus dem polynesischen Inselstaat Samoa. Und obwohl man dort, durchaus dem Klischee entsprechend, Singen noch als etwas Natürliches begreift, kam er mit der Oper erstmals durch sein Rugby-Training in Berührung. „Die harten Jungs sollten auch was anderes machen, man wollte mit dem Klischee brechen“, erinnert er sich. Während das für seine Mitspieler nur eine verordnete Phase war, wurde Pati durch Pavarotti & Co angefixt. Und wirklich, seine cremig weichen, meist ebenmäßigen hohen Töne erinnern mitunter an den legendären Bäckerssohn aus Modena, der sich anfangs seiner Karriere ebenfalls dem Belcanto widmete.
Auf seinem ersten Album, für das ihn Stimmkenner Alain Lanceron an sein Label Warner Classics band, hat er sich durchaus eine Mischung aus Belcanto und lyrischen bis Spintorollen des italienischen, aber mehr noch des französischen Repertoires herausgesucht. Idiomatisch fein begleitet das Orchestre National Bordeaux Aquitaine unter dem flotten Emmanuel Villaume. Und sogar den Chor der Oper Bordeaux hat man spendiert für die selten zu hörenden Titel von Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti und dem frühen Giuseppe Verdi sowie von Giacomo Meyerbeer, Charles Gounod und Benjamin Godard. Da findet sich das vermutlich am längsten gehaltenen hohe C der „Guillaume-Tell“-Plattengeschichte, aber ein leider nur isoliert herausgeschleudertes hohes D in der „Possente amor“-Cabaletta des „Rigoletto“-Herzogs.
Trotzdem: Hier ist einem vielfachen Wettbewerbsgewinner auch ein Debüt gelungen, das aufhorchen lässt. Passenderweise hatte sich Pati auch erstmals in Europa in Bordeaux vorgestellt, mit Donizetti – und die Opernhäuser der Welt scharren jetzt schon mit den Füßen. Dabei hatte Pene Pati, zuerst mit Pop sozialisiert, in der Südsee und dann in Neuseeland nur YouTube als Lehrer; immerhin landete er schnell im Young Artist Programm der San Francisco Opera. Gerade hat der fast unablässig Fröhlichkeit ausstrahlende Mann an der Wiener Staatsoper seine vokale Visitenkarte abgegeben, an der Berliner Staatsoper singt er im April in „La traviata“.
Einen Wunsch aber hat Pene Pati schon für seine Alben-Zukunft: Einmal Melodien seiner Heimat aufnehmen zu können, gern in klassischen Arrangements. „Ich möchte die schillernde Schönheit dieser Musik den Menschen in aller Welt nahebringen.“

Neu erschienen:

Rossini, Donizetti, Verdi u. a.

„Pene Pati“

mit Pati, Orchestre National Bordeaux Aquitaine, Villaume

Warner

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Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 2 / 2022



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