home

N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Startseite · Konzert · Hausbesuch

(c) festival printemsdesarts

Festival Printemps des Arts

Auf ein Neues

Eine Tradition lebt fort: Seit über 50 Jahren blühen im Frühling beim Printemps des Arts de Monte-Carlo auch die Künste.

Der Winter, das war ja früher, also im 19. Jahrhundert, die bevorzugte Zeit für Reisende, sich an die Côte d’Azur zu begeben, die blaue, Sonne und Meer verheißende Küste Südfrankreichs. Die besseren Kreise fuhren ab 1922 mit dem Luxuszug Train Bleu nach Nizza und Monte-Carlo, Saint-Tropez war freilich damals noch ein unentdecktes Fischerdorf. Man startete die Reise von der Pariser Gare de Lyon, am besten im seit 1963 ebenfalls Le Train Bleu geheißenen Bahnhofsbuffet; das sich freilich als Luxusrestaurant mit fabulös erhaltener Belle-Époque-Ausstattung samt bunter, Urlaubsfantasien vorwegnehmender Panorama-Wandfresken entpuppt.
Der Winter, das war dann auch die große Kulturzeit im aufstrebenden Fürstentum Monaco, das sich ganz besonders den solventen Gästen öffnete. Man konnte und kann bis heute unter einem Casino-Dach hinüber in das von Charles Garnier, dem Architekten der Opéra de Paris entworfene Mini-Musiktheater flanieren; das luxuriös renovierte „Hotel de Paris“ mit seinem aufgestockten Appartementkomplex, und ein paar Schritte weiter das „Hermitage“ liegen gleich gegenüber. Auf der Place du Casino warten unter Palmen auf ihre Kunden das Café de Paris und sämtliche berühmten High-Class-Marken der Welt in verführerisch funkelnden Boutiquen.
Hier traf sich einst die Society zu Oper und Ballett und Konzerten, die kleine Opéra hat große Uraufführungen von Berlioz, Saint-Saëns, Massenet und Ravel erlebt, und die Ballets Russes unter dem legendären Impresario Serge Diaghilev hatten hier ihr kreatives Winterquartier.

Lust auf Entdeckung

Ein nostalgischer Nachklang auf die große Zeit des exklusiven Reisens, das heute jedermann zugänglich ist, will auch der Printemps des Arts de Monte-Carlo sein, der dieses Jahr erstmals unter der Leitung des neuen künstlerischen Leiters Bruno Mantovani an vier Wochenenden vom 10. März bis 3. April 2022 stattfinden wird. Die Frühlingsblüte mit Mimosen und Magnolien, sie soll mehr als nur einen Abglanz auf den hier blühenden Strauß der diversen Künste werfen, soll, wenn es in Zentraleuropa immer noch winterlich kühl sein kann, erwärmen für das, was das Kunstjahr 2022 hoffentlich wieder zu bieten haben wird.
Das Festival wird sich diesmal auf insgesamt drei Hauptthemen konzentrieren: Es beinhaltet dabei wie stets ein breites Spektrum der Musik vom 14. Jahrhundert bis zu den neuesten Kreationen. Ein Porträt mit mehreren Veranstaltungen wird dem Pianisten Jean-Efflam Bavouzet gewidmet sein, der selbst konzertiert, aber auch einer Masterclass vorsteht. Ein weiterer Schwerpunkt gilt dem Thema Quartettspiel und präsentiert das Quatuor Voce mit einer kreativen Kombination von diversen Komponisten. Ein ganzes Wochenende stellt das Land Armenien zwischen Tradition und Moderne vor, seine Klänge und Komponisten, seine Musiker, sein Ballett, seine Filme und eine Ausstellung. Außerdem hat das monegassische Festival diverse Einladungen an bedeutende Orchester ausgesprochen, die mit traditioneller Sinfonik, Moderne wie Jazz glänzen wollen.
Bruno Mantovani ist selbst ein renommierter Komponist. Seine Philosophie als Leiter soll es sein, im „Festival“ wieder das Wort „Fest“ zu entdecken und, ja, zu feiern. Ein Wort, das dazu ermuntert, jeden Augenblick zu genießen und zu einem besonderen Hörvergnügen für lebendige Musik zu machen. Seit über 50 Jahren erkundet der Frühling der Künste nunmehr die sogenannte „klassische“ Musik, um zu zeigen, dass sie absolut nicht klassisch ist!
Mantovani ist sich sicher, dann man sie nur in neuen Konzertformaten mit Musikern hören muss, die Wagnisse eingehen und die ausgetretenen Pfade verlassen. Alles ist hier zudem miteinander verknüpft, um nicht zu versäumende Erlebnisse zu kreieren: wie die Überraschungsreise – die mit Spannung erwartete Begegnung, die uns zu einem geheimen Ort führt. Oder wie das Monaco Music Forum, das an einem närrischen Tag Jongleure, Fanfaren, Tanz und vieles mehr vermischt.
Schon 1970 wurde der Printemps des Arts von Monte-Carlo auf Initiative von Fürstin Gracia Patricia von Monaco gegründet. Er steht seit 1984 unter der Schirmherrschaft ihrer Tochter Caroline Prinzessin von Hannover, die die Leitung 2003 dem Komponisten Marc Monnet anvertraute, sich aber weiterhin an seiner Entwicklung beteiligt. Und schnell wurde das Fürstentum bei Ankunft des Frühlings neuerlich zu einem Wallfahrtsort für all diejenigen, die Kunst und Musik vereinen. Der ausgeprägte Geschmack für die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen und das Festhalten an einer Qualitätsanforderung, durch die der Öffentlichkeit die größten Künstler der Zeit präsentiert werden, sollen auch weiterhin die beiden Eckpfeiler dieses Festivals bilden. Zudem legt es besonderen Wert auf die Entdeckung und Förderung junger Talente.
Was den Printemps des Arts von anderen europäischen Festivals unterscheidet, ist die Priorität, die es der Entdeckung im weitesten Sinne des Wortes einräumt: Entdeckung von Musikkulturen anderer Kontinente, von denen die besten (manchmal atypischen) Vertreter einladen werden. Beispiele sind das Orchestre Symphonique Kimbanguiste aus der Republik Kongo, das Royal Ballet of Cambodia oder das Mariinsky Orchester unter der Leitung von Valery Gergiev aus St. Petersburg ... aber auch ein Wochenende in Japan, eine ungarische Nacht, ein Tag in Marokko, zudem die Porträts von Komponisten (Skrjabin, Haydn, Mahler, Berlioz, Ives ...) und die Präsenz bedeutender Orchester, aber auch der vielen klassischen und zeitgenössischen Quartette wie Ensembles von internationalem Rang.
Von einem einzigen Reiseziel an den Ufern des Mittelmeers aus bietet der Printemps des Arts von Monte-Carlo so an diversen Konzertspielstätten eine musikalische Reise durch Kontinente und Kulturen.

www.printempsdesarts.mc

Matthias Siehler, 12.02.2022, RONDO Ausgabe 1 / 2022



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Boulevard

Begegnung der beiden Davids

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Historisch haben sie sich nicht getroffen: die von Renaissance bis Barock gebräuchliche Laute und […]
zum Artikel

Pasticcio

Topf Ten

Statistiken sind so eine Sache. Manchmal erweisen sie sich als unentbehrlich, dann wiederum glaubt […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


Abo

Top