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N° 1266
13. - 19.08.2022

nächste Aktualisierung
am 20.08.2022



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Frisch eingeführt als Thomaskirch-Organist: Johannes Lang (c) Philine Blume/thomaskirche.org

Pasticcio

Unter der Beobachtung Bachs

Von hoch oben schaut Bach herunter. Von einem ihm gewidmeten Mosaikfenster, das die Südseite der Leipziger Thomaskirche schmückt. Ganz unten hingegen sollen tatsächlich die Gebeine des einstigen Thomaskantors und Klanggottvaters liegen – wenngleich darüber bis heute noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, ob im mit seinem Namen beschrifteten Grab auch wirklich die sterblichen Überreste Bachs zu finden sind. Egal. Solche Spitzfindigkeiten dürften Johannes Lang aktuell und auch in der nächsten Zeit nicht vorrangig interessieren. Denn gerade hat der 32-jährige ganz offiziell einen der traditionsreichsten und prestigeträchtigsten Orgelposten von seinem Vorgänger Ullrich Böhme übernommen, der das Amt als Thomasorganist immerhin von 1986 bis 2021 inne hatte. Böhme ist in den Ruhestand gegangen. Und mit dem gebürtigen Düsseldorfer Lang folgt ihm jetzt ein Musiker, der das Orgelspiel nicht nur irgendwie in die Wiege gelegt bekommen hat. Im großen Stammbaum an Musikern findet sich auch Urgroßvater Günther Ramin, der an der Leipziger Thomaskirche seit 1919 Organist und später Kantor war und in den 1950er Jahren maßgeblich die Bach-Pflege in der DDR anschob.
Überhaupt sind die musikhistorischen Fußstapfen auf diesem Posten beeindruckend groß. Immerhin schlugen u.a. Jacob Weckmann, Johann Kuhnau, Karl Straube und Karl Richter in der Thomaskirche hauptamtlich die Orgel. Nun also ist Johannes Lang an der Reihe. Und kein Wunder, dass er kurz nach seiner Wahl zugeben musste, dass damit für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen sei.
Empfohlen hatte er sich dafür nicht nur mit zahlreichen Preisen, darunter dem Ersten Preis beim Bachwettbewerb 2012. Nach einer Kantorentätigkeit an der Kreuzkirche Freiburg war er von Oktober 2016 an fünf Jahre lang Kantor an der Friedenskirche Potsdam-Sanssouci. Und ab 2019 auch Lehrbeauftragter für Künstlerisches Orgelspiel, Liturgisches Orgelspiel/Orgelimprovisation und Cembalo am Institut für Kirchenmusik an der Universität der Künste Berlin. Dementsprechend umfassend ausgebildet und gebildet ist Johannes Lang, um ab sofort dem anspruchsvollen wie vielseitigen Job gerecht zu werden. Und gleichgültig, an welche der beiden Orgeln er sich dabei setzen wird, ob an die Bach-Orgel von Gerald Woehl oder an die romantische Sauer-Orgel – Johannes Lang wird dabei nur allzu gerne unter wohlmeinender Dauerbeobachtung stehen. Schließlich ist es ein gewisser J.S. Bach, der ihm von seinem Mosaikfenster da über die Schulter schauen wird.

Guido Fischer



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