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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Für das Lied gut: Eine Teilnehmerin des Wettbewerbs "Das Lied" des Liedzentrums/Heidelberger Frühling ©Martin Walz

Pasticcio

Kunstlieder für die Ewigkeit

Es war irgendwann in einer deutschen Freitagabend-Talkshow. Und die Besetzung war diesmal ziemlich ungewöhnlich. Nicht wegen Heiner Geißler, der da neben Nana Mouskouri saß. In die Plauderrunde hatte es selbst der amerikanische Meister-Bariton Thomas Hampson geschafft. Eigentlich wollte er nur ein wenig die Werbetrommel für sein Lied-Projekt rühren, das im Rahmen des Klassikfestival „Heidelberger Frühling“ stattfinden sollte. Doch stattdessen stimmte Hampson minutenlang eine flammende Lobeshymne an – auf die Schönheit der deutschen Sprache, auf die deutsche Romantik und besonders das deutsche Kunstlied. Und alle hingen ihm fasziniert mucksmäuschenstill an den Lippen. Aber wenn Hampson eben von seinen eigentlichen musikalischen Helden zu erzählen beginnt, von all den Schuberts, Schumanns und Brahms´ und ihren Liedern, ist er nicht mehr zu stoppen. Diese Seelenverwandtschaft zwischen deutscher und musikalischer Sprache ist es denn auch, weshalb Hampson zu einem der glühendsten und besten Liedsänger der Gegenwart geworden ist.
Dementsprechend ist er nun gleichermaßen Feuer und Flamme für eine Initiative, die sein junger Stimmkollege Benjamin Appl zusammen mit dem Liedzentrum Heidelberg auf die Beine gestellt hat. Das Kunstlied in deutscher Sprache soll nämlich Immaterielles Kulturerbe der UNESCO werden! Und schon jetzt haben sich prominente Befürworter für diesen Plan stark gemacht. Dazu gehören neben Hampson noch Alfred Brendel, Brigitte Fassbaender und Christian Gerhaher, aber auch Graham Johnson, György Kurtág sowie Jörg Widmann. „In der besonderen Verbindung von Wort und Musik erreicht das deutschsprachige Kunstlied seit etwa 240 Jahren in unaufdringlicher und einmaliger Weise viele Menschen rund um den Globus auf intellektueller und emotionaler Ebene“, so der Liedfan Appl. „Es gibt keine vergleichbare Kunstform, in der Poesie und Musik einen solch gleichberechtigten Part einnehmen.“
2023 soll dann die Entscheidung im UNESCO-Komitee fallen. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum das deutsche Kunstlied es dann nicht auf jene erlesene Liste schaffen sollte, auf der bereits die deutsche Weinkultur und der deutschen Orgelbau stehen. Und sollte die Bewerbung dann doch zwischendurch etwa ins Stocken geraten, braucht man nur einen Mitschnitt von Hampsons TV-Plädoyer einzuschicken. Dann klappt´s garantiert.

Reinhard Lemelle



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