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N° 1236
15. - 21.01.2022

nächste Aktualisierung
am 22.01.2022



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(c) Juliy Wesely

Chamber Orchestra of Europe

„Keine Verstopfung!“

40 Jahre jung sind sie gerade geworden. Zum Jubiläum gibt es eine CD-Box mit Unver­öffentlichtem unter Leitung des COE-­Förderers und -Fans Nikolaus Harnoncourt.

Eigentlich wollte man auch den Rest des Jahres 2021 nur in Champagner-Laune verbringen. Und zwar mit weiteren Toasts auf den ausklingenden 40. Orchestergeburtstag, aber auch voller Vorfreude auf gleich zwei neue Domizile. Denn das Chamber Orchestra of Europe (COE) fungiert 2022 nicht nur als neues Residenzorchester im Schloss Esterházy in Eisenstadt. Das international besetzte Orchester bezieht zugleich das frisch eröffnete Casals Forum im hessischen Kronberg und damit endlich einen festen Ort für die Arbeits- und Probephasen. Doch in die laufenden Zukunfts- und Umzugsvorbereitungen wurden die Musiker und Musikerinnen nun von der Nachricht erschüttert, dass Bernard Haitink 92-Jährig verstorben ist. Seit 2008 hatten der niederländische Stardirigent und das COE zusammen zahllose Konzerte gegeben. Und mit einem Satz hatte Haitink den besonderen Geist dieses Orchesters beschrieben: „Mit dem COE fühle ich mich nicht wie ein Dirigent. Ich fühle mich wie ein Musiker, der mit ihnen Musik macht.“
Mit seinem Bekenntnis hat Haitink im Grunde all jenen Kollegen aus der Seele gesprochen, die in den letzten 40 Jahren mit diesem außergewöhnlichen Klangkörper musiziert haben. Ob nun Mentor Claudio Abbado, Simon Rattle, Paavo Berglund oder Yannick Nézet-Séguin, der zu den jüngeren Ehrenmitgliedern des COE gehört – sie alle schwärmten und schwärmen von dem offenen und herzlichen Teamspirit dieses demokratisch organisierten Orchesters.
Wenngleich das COE im Laufe der letzten vier Jahrzehnte mit so ziemlich allen bedeutenden Dirigenten zusammengearbeitet hat, so hat doch einer ganz besonders Spuren hinterlassen und das Innenleben des COE geprägt. Es war Nikolaus Harnoncourt, für den das Orchester seit Mitte der 1980er Jahre zum zweiten Standbein neben seinem Concentus Musicus Wien wurde. Wie präzise und doch zugleich voller Leben dieses moderne Orchester die Ideen und Gedanken des Originalklang-Dirigenten umsetzte, ist auf Gesamteinspielungen der Sinfonien von Beethoven und Schubert dokumentiert. „Die Arbeitsweise Harnoncourts und des COE war bestimmt von einer Kombination aus intensiver Konzentration und Humor“, so der amerikanische Kontrabassist Dane Roberts, der 1986 zum Orchester kam. Dabei lernte auch er von Harnoncourt so manche Ausdrücke kennen, die bis heute zum Vokabular der Musiker gehören. Wie „fesch“ oder „keine Verstopfung“ – womit man aufgefordert wurde, die Musik bitteschön fließen zu lassen.
Wie herrlich und seligmachend sich das dann auch unter Live-Bedingungen anhören konnte, belegen die jetzt erstmals auf CD veröffentlichten Konzertmitschnitte, die zwischen 1989 und 2007 beim Grazer Styriarte Festival, in Berlin und Amsterdam entstanden sind. Wundersames Melos durchströmt die 4. Sinfonie von Brahms. Wahre Mozart-Wonnen erlebt man in jener Sinfonie Nr. 29, die auch beim allerersten Konzert des COE 1981 auf dem Programm stand. Unter Starkstrom werden dagegen die Beethoven-Sinfonien Nr. 5 & 7 gesetzt. Und bei der „Militärsinfonie“ von Haydn legen die Musiker dann so richtig mit Witz, Schmiss und Funkenschlag los. Das altehrwürdige, einst von Haydn bespielte Esterházy-Schloss kann sich schon jetzt auf seine neuen Bewohner freuen.

Podcasts des Orchesters, Episode 12: Interview zur Harnoncourt-Box mit Fagottist Matthew Wilkie
www.coeurope.org/coe-podcast/

Neu erschienen:



„Haydn, Mozart, Beethoven, Brahms“

Chamber Orchestra of Europe, Harnoncourt

(4 CDs) – ICA Classics/Naxos

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Guido Fischer, RONDO Ausgabe 6 / 2021



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