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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

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am 02.07.2022



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(c) JR Berliner Ensemble

Da Capo

Berlin, Berliner Ensemble – Brecht/Weill: „Die Dreigroschenoper“

Mörder mit Knuddeleffekt

Die „Dreigroschenoper“ ist ... ein tückisch’ Ding. Warum? Weil sie ein so fades Ding ist. Geniale Musik, kein Zweifel. Doch der lange Inhalt lässt sich gut und gerne in den Satz zusammenfassen: „Und ein Mann geht um die Ecke, den man Mackie Messer nennt ...“ – Nun ist Barrie Kosky ein mit allen Entertainment- Wassern gewaschener Regisseur. Gut genug, um am Ort der Uraufführung, am Schiffbauerdamm in Berlin, eine neue „Dreigroschenoper“ aus dem Hut zu zaubern (nachdem die Vorgängerproduktionen von Robert Wilson jahrzehntelang lief und lief ...). Zwar war von Kosky in Berlin auch nicht alles Gold, was glänzt. Dies hier zählt zu seinen besten Sachen überhaupt. Die Leute lachen, weinen, sind hin und weg. Wie hat er das gemacht? – Nun, schon bei seinem Operetten-Revival an der Komischen Oper war sein Erfolgsrezept, die Rollen gerade nicht mit Sängern, sondern vorzugsweise mit Schauspielern zu besetzen. (So wie das in den 20er-Jahren auch der Fall war.) Hier, bei Brecht/ Weill, folgt er seinen Darstellern zärtlich. Nico Holonics ist ein aasig wundgeschossener, erotisch verführungsseliger Macheath mit Knuddeleffekt. Bettina Hoppe, keine geborene Seeräuberjenny, räumt ab wie nichts. Constanze Becker gibt eine geile, notgeile Frau Peachum und Kathrin Wehlisch den Polizeichef als angeschwulten Charlie Chaplin. Fantastisch. Singen tun alle super, gerade weil sie nicht künstlich auf Opernstar machen. Im Bühnengestänge klettern sie alle herum wie die Hamster im Versuchskäfiglein. Einen Graben, in dem Adam Benzwi sein Ensemble answingt, gibt es auch. Und der Haifisch, der hat trotzdem Zähne. Man weiß nicht, was Kosky sich bei dem Stück gedacht hat. Außer, dass er Kurt Weill für historisch ebenso wichtig hält wie Richard Wagner. Sicher ist: Immer dann, wenn Kosky sich was überlegt hatte, wurde das Publikum gut unterhalten. Die „Dreigroschenoper“, seine fast beste Produktion, ist der Beweis, dass Brecht mehr Groschen wert wäre. Man muss ihm trauen. Dann trägt er die Zähne auch im Gesicht.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2021



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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