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N° 1265
06. - 12.08.2022

nächste Aktualisierung
am 13.08.2022



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Für die Fragenden, Mutigen, Eigenständigen: Florian Uhlig erhält für seine Schumann-Gesamteinspielung einen Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik © Marco Borggreve

Pasticcio

Empfehlen, was mit Anspruch anspricht

Schon früh galt er als eine der aufregendsten neuen Stimmen in der zeitgenössischen Musik-Szene. Mit bereits 16 Jahren hatte der aus dem elsässischen Wissembourg stammende Christophe Bertrand sein Kompositionsstudium bei Ivan Fedele begonnen. Mit Zwanzig ging er nach Paris, um mit Philippe Hurel, Brian Ferneyhough und Tristan Murail zusammenzuarbeiten. Und seine Werke fanden schnell reißenden Absatz bei der ersten Interpretenriege, bei Pierre Boulez, dem Arditti Quartet und dem Ensemble Intercontemporain. Doch so schnell Bertrand im Neue Musik-Betrieb Fuß gefasst hatte, so völlig unerwartet sollte er für immer verstummen. Im Alter von 29 Jahren nahm er sich am 17. September 2010 das Leben. Rund vierzig Werke hat Bertrand hinterlassen. Die Hälfte davon sind Instrumentalwerke, in denen sich seine Nähe zur klassischen Moderne, zu Ravel und Richard Strauss genauso heraushören lässt wie seine Flirts mit der von Steve Reich geprägten Minimal Music. Es lohnt sich also, sich einmal intensiver mit dieser charismatischen Figur der Neuen Musik zu beschäftigen. Genau das findet auch die Jury, die den Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK) vergibt. Und so wurde nun einer der zehn begehrten Jahrespreise der ersten Gesamtaufnahme der Instrumentalwerke von Bertrand u.a. mit dem WDR Sinfonieorchester dekoriert.
Aus insgesamt 106 Veröffentlichungen wählte die Jury ihre Favoriten aus (www.schallplattenkritik.de/jahrespreise/2021). Und als ob man sich bewusst gegen Einspielungen entschieden hat, die von Null auf Eins die Klassik-Charts stürmen, finden sich unter den Ausgezeichneten so gar keine Superstars, sondern vor allem Querköpfige, Mutige, Eigenständige und wirklich Besondere. Am Namhaftesten dürften dabei die Bamberger Symphoniker sein, die für ihre Einspielung von Mahlers 4. Sinfonie mit Mezzosopranistin Anna Lucia Richter erste Wahl waren. Auch der Pianist Florian Uhlig hat einen Preis verdient – für seine historisch-kritische Gesamtaufnahme von Robert Schumanns Solo-Klavierwerken. Bariton Georg Nigl wird zusammen mit der Pianistin Olga Pashchenko für die etwas andere Liederplatte „Vanitas“ ausgezeichnet. Und auch im Jazz, Pop und dem Singer-Songwriter-Bereich finden sich ähnlich ambitionierte Preisträger 2021. Und dabei ist das Jahr noch nicht einmal zu Ende!

Guido Fischer



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